Berichte von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Lehrfahrt nach Vorarlberg 24-26.09.2026

Die diesjährige forstliche Lehrfahrt führte uns nach Vorarlberg.

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Unsere Anreise führte uns vom Pustertal über den Vinschgau nach Bludesch/Thüringen, wo uns Walter Amann erwartete. Er ist der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Jagdberg und war über mehrere Jahre Präsident des Vorarlberger Waldvereines. Zuerst erklärte er uns die Entstehungsgeschichte „seines“ Forstbetriebes, welcher heuer sein 25jähriges Bestehen feierte und sich mittlerweile aus 12 Waldbesitzern, ausschließlich öffentliche Körperschaften, mit 1800ha zusammensetzt.
Die Hauptaufgaben des Forstbetriebes sind die Schutzwaldpflege, die nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Gestaltung klimafitter Wälder sowie die Holzmobilisierung.

Die Waldflächen sind aufgrund der Zerstückelung schwer zu bewirtschaften, zudem ist 70% der Fläche Seilbahngelände. In den Wäldern der Forstgemeinschaft sind hauptsächlich Nadelbaumarten anzutreffen, wobei die Fichte den überwiegenden Teil einnimmt.

Am Nachmittag zeigte uns Walter verschiedene Auenstandorte:
Beim ersten wurde versucht eine Fläche bewusst außer Nutzung zu stellen, was zu einer Verdunkelung führte und nachfolgend zum Ausbleiben von verschieden Orchideenarten beitrug, weshalb diese Fläche anschließend, auf Druck des Naturschutzes, wieder bewirtschaftet (durchforstet) wurde.
Auf dem zweiten Standort, einer ehemaligen Ablagerungsfläche, kam flächig der Riesenbärenklau vor, dieser wurde versucht durch 2–3-maliges Mähen im Jahr zu bekämpfen, was wenig Erfolg brachte. In den letzten Jahren hat sich ein Anrainer gemeldet, welcher sich freiwillig für die Riesenbärenklaubekämpfung angeboten hat. Er geht die Fläche periodisch durch und grabt die Wurzeln aus, der Erfolg ist beachtlich, dieser giftige Neophyt ist fast zur Gänze verschwunden.

Beim dritten Standort wurde auf das Thema Wild eingegangen. Die Wilddichte im Auwald ist sehr hoch, weshalb eine Entwicklung zu klimafitten Mischbeständen nicht leicht zu vollziehen ist. Deshalb wurden Schusschneisen, mit einer Länge von 200m und 6m breite, angelegt. Diese werden regelmäßig gemulcht und eingesät. Um das Problem des Kugelfanges zu lösen, wurde immer ein Hochsitz pro 3 Schussschneisen errichtet.
Bei den anschließenden Standorten wurden hauptsächlich Aufforstungsflächen angeschaut und über die eingebrachten Baumarten diskutiert (Kirsche, Bergahorn, Eiche, Schwarznuss, Hainbuche).
Auwald mit Walter Amann
Auwald mit Walter Amann
Als Abschluss besichtigten wir noch den Klosterwald. Das ist ein 8ha großer Mischwald, wo man sich zu Lebzeiten einen Baum (gegen eine Gebühr) aussuchen kann, unter welchen man beigesetzt werden möchte. Dieser Wald ist für alle Konfessionen offen und bringt den Vorteil das die Grabpflege, für die Hinterbliebenen entfällt.
Beisetzung im Klosterwald
Beisetzung im Klosterwald
Nach dem Bezug unserer Unterkunft in Dornbirn, (mit 52.000 Einwohnern größte Stadt Vorarlbergs) stand der Abend zur freien Verfügung.

Am Freitag fuhren wir nach Bregenz, Hauptstadt von Vorarlberg mit 29.000 Einwohnern, wo wir eine interessante Führung zur Seebühne und über die 80jährige Geschichte der Festspiele erhielten.

So konnten wir erfahren das die ersten Künstler für ihren Auftritt, 1 Woche Urlaub auf den umliegenden Bauernhöfen erhielten und die Bezahlung der Bühne (2 Boote) und der Requisiten durch Lebensmittel erfolgte.

Die heutige Bühne hat ein Fassungsvermögen von 7.000 Zuschauern, bei 28 Aufführungen (alle ausverkauft), ergeben sich fast 200.000 Zuschauer.
Gruppenbild bei der Bregenzer Seebühne
Gruppenbild bei der Bregenzer Seebühne
 
Durch die Erschließung von Bregenz mit der Eisenbahn konnten mehrere Vorteile erreicht werden, der Warenaustausch, der Hochwasserschutz der Stadt wurde verbessert, eine Uferpromenade konnte mit dem Aushubmaterial des Tunnels errichtet werden und zu guter Letzt begann dadurch die touristische Blüte.

Anschließen fuhren wir bei herrlichem Wetter mit der Seilbahn auf den Pfänder (1064m), wo uns Peter Feuersinger, Leiter der Forstregion Nord, uns das atemberaubende Panorama erklärte. Sobald wir den 360° Rundblick genossen hatten, ging es in den Wald zu unserem eigentlichem Hauptthema, dem Plenterwald.

Plenterwald kann man auch zum besseren Verständnis als Dauerwaldbewirtschaftung umschreiben, dabei sind auf kleinen Flächen immer mindestens 3 Waldentwicklungsstufen anzutreffen (Jungwuchs, Baum- und Altholz).
Der Plenterwald ist gekennzeichnet durch seine hohe Stabilität, durch seine verschiedenen Baumhöhen, kann die anfallende Sonnenenergie gut in Wachstum umwandeln werden. In den besichtigten Wäldern wird hauptsächlich Starkholz produziert (BHD 60+). Diese Bewirtschaftungsform setzt eine gute Erschließung voraus, welche aufgrund der kleine Eigentumsflächen (2000ha mit 1900 Besitzern) nicht immer einfach ist, aber durch die leidenschaftliche Tätigkeit des Waldaufsehers, gelungen ist.

Die Verjüngung, auch Tanne, erfolgt hauptsächlich auf natürlichem Weg. Durch die Förderung eines grünen Bodens, mit Schwarz- und Heidelbeeren, als Wildäsung, kann der Verbiss auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Zudem werden auch an einigen Stellen mit Gastbaumarten Versuche unternommen, wie etwa mit der Douglasie, welche besonders mit ihrer Trockenresistenz punktet. Dies könnte bei zukünftig, öfters zu erwartenden Dürrezeiten, von Vorteil sein.
Plenterwald mit Peter Feuersinger
Plenterwald mit Peter Feuersinger
Am Nachmittag entführte und Sylvia Rickmann ins Fohramoos, wo wir den Wald aus einem anderen Blickwinkel betrachteten, nicht wirtschaftlich, sondern auf der emotionalen Ebene.

Wir wurde animiert unsere verschiedenen Sinne, sehen, riechen, fühlen und hören bei einem Waldspaziergang bewusst zu schärfen, was für eine unterhaltsame Stimmung sorgte. Der im Wald zu kurz gekommene Geschmackssinn wurde zum Abschluss, mit selbstgemachten Muffins (von Sylvia), nachgeholt.
Gruppenbild mit Sylvia Rickmann im Fohramoos
Gruppenbild mit Sylvia Rickmann im Fohramoos
Der Abschließende Tag führte uns nach Krummbach, zum langjährigen Bürgermeister Arnold Hirschbühl. Er erklärte uns seine Bemühungen das Leben auf dem Land weiterhin attraktiv zu halten, dazu gehört die Erreichbarkeit mit Öffis (jedes Dorf wird untertags mindestens 1x die Stunde angefahren). Bezüglich Öffis startete er einen Architekturwettbewerb, verschieden Bushaltestellen künstlerisch zu gestalten, dieser Aktion wurde gut angenommen und die teilnehmenden Architekten erhielten, so ähnlich wie die ersten Künstler bei den Begrenzer Festspielen, eine Woche Urlaub bezahlt. Eine Kopie der Bushaltestelle in Krumbach, ist auch bei uns im Eggental (Birchabruck) errichtet worden.

In Krumbach wurde den Bürgern nicht vorgeschrieben mit Holz zu bauen, sondern die Gemeinde ging mit gutem Beispiel (Pfarrhaus) voraus und erhielt dadurch viele Nachahmer, mittlerweile ist der Holzbau in Krumbach Standard, wie es schon vor 70 Jahren war.

Bei einer gemeinsamen Wanderung konnten wir verschieden Holzbauten sehen, unter anderem die Kapelle Salgenreute von Beraldo Bader, sowie die bei uns fast zur Gänze verschwundenen Streuostwiesen.
Holzkapelle Salgenreute von Beraldo Bader in Krumbach
Holzkapelle Salgenreute von Beraldo Bader in Krumbach
Nach dem Mittagessen begann die Rückfahrt über den Arlbergpass, auf welcher uns Berger Josef noch interessante Information zu Land und Leute liefern konnte, durch seine familiären Beziehungen.
Viaggio di studio nel Vorarlberg 2026Viaggio di studio nel Vorarlberg 2026 - testo italiano
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