Bericht von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines
 

Der Wald tut gut

Die Vortragsreihe, die der Südtiroler Forstverein am 12. November 2021 in Terlan organisiert hat, stand ganz im Zeichen der gesundheitlichen Wirkung des Waldes.

Markus Kiem, ausgebildeter Natur- und Waldtherapie Führer, referierte im ersten Vortrag über den Wohlfühlfaktor Wald und wie man mit Waldbaden die eigene Gesundheit stärken kann. Der Begriff Waldbaden ist 1982 in Japan mit einer Werbekampagne des Forstdienstes für gestressten Japaner entstanden. Japan ist ein Land, das sich zu 80% aus städtischer Bevölkerung zusammensetzt und durch einen Turbokapitalismus und durch einen hohen Stressfaktor geprägt ist. Heute gibt es in Japan 62 ausgewiesene Heilwälder, wo das Waldbaden praktiziert wird.
Markus Kiem definiert das Waldbaden folgendermaßen: “Ein bewusster Waldbesuch, bei dem wir voll und ganz in das Naturerlebnis eintauchen. Dabei werden alle unsere Sinne mit Eindrücken des Waldes überflutet.”

Dabei sind vor allem drei Elemente wichtig:
  • Langsamkeit versus schnell: Je langsamer ich unterwegs bin, umso mehr nehme ich wahr.
  • Waldbaden hat kein Ziel: Legt man ein Ziel fest, so wird die Wahrnehmung bereits eingeschränkt, da sich Körper und Geist nicht auf das jetzt festlegen können.
  • Fühlen versus denken: Das Denken muss ausgeschaltet werden, damit Fühlen und Wahrnehmung möglich sind.
Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Mitteleuropäer 10 Stunden vor dem Bildschirm verbringt, ist das Waldbaden aktueller denn je. Markus Kiem sieht darin vor allem auch ein Angebot, um den Menschen wieder näher an die Natur zu bringen.

Das Waldbaden wirkt sich auch positiv auf unsere Gesundheit aus: Nach Kiem ist ein positiver Einfluss auf das autonome Nervensystem erkennbar. Durch das Waldbaden kommt es in unserem Körper zu einer Entspannungsreaktion, wodurch wieder ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung hergestellt wird.

Das Waldbaden hat auch einen positiven Einfluss auf unser Hormonsystem, dabei besonders auf das Stresshormon Cortisol. Wird 2-3 mal die Woche Waldbaden praktiziert, so trägt das zu einem ausgewogenen Cortisolspiegel bei.

Auch positive Auswirkungen auf unser Immunsystem sind erkennbar. In der Natur kommen wir mit vielen Mikroorganismen in Kontakt, die unser Immunsystem stärken und trainieren.
Den zweiten Teil der Vortragsreihe gestaltete der bekannte Liedermacher Markus Doggi Dorfmann aus Brixen. Das Waldbaden hat er musikalisch in einem Lied verarbeitet: „Loss ins durchn Wold spazieren, a kloane Runde drahn, unter die Fieß in Bodn gspiern, driebo die hoachn Bam“. Ihm hat das Waldbaden aus einer Lebenskrise geholfen, dabei hat er über einen Zeitraum von zwei Jahren, alle Tage 2-5 Stunden im Wald verbracht. „Es war ein Ruf, dem ich folgte. Täglich spazierte ich durch den Wald – immer die gleiche Runde, von Milland über die Karlspromenade. Da entstanden Gedichte, Lieder und Projekte“, erzählte Doggi Dorfmann. Für die Strecke, die in eineinviertel Stunden zurückgelegt werden kann, brauchte er bis zu 5 Stunden. Mit allen Sinnen erlebte er den Wald – jeden Tag anders. „Ich merkte welche Kraft in der Langsamkeit steckt“, sagte Doggi. Der Wald ist für ihm auch ein Ort der Stille. Die Stille ist aber auch ein kreativer Raum, woraus oft die besten Ideen entstehen. Doggi spürt im Wald ein Gefühl der Glückseligkeit und der Freude. Es braucht sehr wenig, um zufrieden zu sein. Er empfindet eine tiefe Dankbarkeit der Natur gegenüber, für das was sie uns alles gibt.