Berichte von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Tag des Baumes „Eibe“ am Fennberg

Am Freitag, 14. Oktober 2022, begab sich der Südtiroler Forstverein anlässlich des diesjährigen „Tag des Baumes“ in das Südtiroler Unterland, auf den Fennberg, um die Baumart Eibe, Taxus baccata, besser kennen zu lernen.

Die erste Etappe führte nach Penon, eine Fraktion der Gemeinde Kurtatsch an der Weinstraße. Im Naturdenkmal „Eiben-Buchenwald Sulzhof“ referierte Günther Unterthiner, Direktor der Abteilung Forstwirtschaft zur „Ökologie, waldbaulichen Behandlung und Nutzung der Eibe“. Der Ort konnte nicht passender gewählt sein: Buchen in der Oberschicht und Eiben in der Unterschicht zeichnen dieses Naturdenkmal aus. Günther Unterthiner hat einen ganz besonderen Bezug zur Eibe, da er in seinen ersten Jahren im Amt für Forstplanung die Waldbehandlungspläne für die Gemeinde Andrian und den Baron von Kripp verfasst hat, welche auch den Andrianer Eibenwald umfassen.

Im Südtiroler Unterland wird die Eibe historisch als Niederwald bewirtschaftet, d.h. sie wird in relativ kurzen Zeitabständen auf den Stock gesetzt und das Holz als Perglholz in den Weinbergen verwendet. Eine Nadelbaumart, die als Niederwald bewirtschaftet wird, klingt im ersten Moment befremdlich, doch hat die Eibe als älteste Nadelbaumart Europas die Eigenschaft Stockausschläge zu bilden. Doch noch einige weitere Eigenschaften unterscheidet sie deutlich von den anderen heimischen Nadelbaumarten, so ist die Eibe ist extrem schattenertragend und langsamwüchsig, kommt aber auch mit viel Licht gut zurecht, eine Eibe kann bis zu 3.000 Jahre alt werden. Sie besitzt keine Harzgallen und entwickelt keine Zapfen sondern kleine rote Früchte. allerdings nur die weiblichen Pflanzen, da die Eibe zweihäusig ist. Alle Teile der Eibe, ausgenommen der rote Samenmantel, der sogenannte Arillus, sind giftig. Wiederkäuer haben allerdings keine Probleme mit den Giftstoffen der Eibe, das Wild hat sogar eine Vorliebe für diese Baumart und dies führt bei hohen Wilddichten zu Verbissschäden und verhindert die Verjüngung.

Das Holz der Eibe wird für seine Elastizität und Härte geschätzt, bereits Ötzis Bogen war aus Eibenholz gefertigt und auch in der Antike wurde Eibenholz verwendet. Im Mittelalter wurde es vermehrt für den Bau von Kriegsgerät verwendet. Selbst der Name „Eibe“ leitet sich von Althochdeutsch „iwa“ ab, und steht für Pfeilbogen oder Armbrust. Auch die lateinische Bezeichnung „Taxus“ leitet sich vom Griechischen „toxon“ ab, was ebenso „Bogen“ bedeutet. Die große Nachfrage nach dem sehr hochwertigen Holz der Eibe hat in der Vergangenheit europaweit zu einer starken Reduktion der Eibenbestände geführt.

Die Eibe ist die älteste Nadelbaumart Europas, sie kommt seit 150 Mio Jahren vor. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Eibe reicht von den Britischen Inseln bis Nordafrika, von den Azoren bis in den Nordiran. In Südtirol kommt die Eibe in der südlichen Landeshälfte vor, sie bevorzugt ein atlantisch-mildes Klima und ist nicht sehr frostresistent. Die Eibe ist einerseits sehr schattenertragend, anderseits auch sehr trockenresistent, so z.B. mischt sich die Eibe in Andrian mit Hopfenbuche und Mannaesche. Weitere größere Eibenbestände finden sich in Mazon bei Neumarkt und in Penon bei Kurtatsch, wo wir die Gelegenheit hatten die Eibe besser kennen zu lernen.

Die geringen Eibenbestände in Südtirol können auf folgende Faktoren zurückgeführt werden:
• Verwendung des Holzes für Werkzeuge
• flächige forstliche Nutzungen sind kontraproduktiv für die Verjüngung der Eibe
• hohe Wildbestände verhindern eine Verjüngung der Eibe
• bei Nutzung als Waldweide wurde die Eibe bewusst entfernt, da Pferde und Esel sehr empfindlich auf die Giftstoffe der Eibe reagieren und verenden können

In Südtirol werden derzeit keine Eiben ausgezeigt, die bestehenden Eibenbestände werden bestmöglich gefördert und erhalten. Vereinzelt kommt es zu unerlaubten Schlägerungen, größere Schäden werden durch das Rotwild angerichtet, welches die Eiben verbeißt und schält.

Sehr häufig wird die Eibe in ganz Europa und auch in Südtirol im Gartenbau verwendet, da sie wunderbar als Hecke geschnitten werden kann. Auch auf Friedhöfen kommt die Eibe häufig zum Einsatz, da sie als mystische Baumart gilt, welche mit dem Tod und dem ewigen Leben in Verbindung gebracht wird.

In das Naturdenkmal „Eiben-Buchenwald Sulzhof“ begleitet wurde der Forstverein von Redakteurin Margot Schwienbacher und Filmemacher Günther Haller, welche für die Rai Südtirol-Sendereihe „Grüne Begleiter“ eine Sendung zur Eibe gestalteten, diese kann in der TV-Mediathek von Rai Südtirol angesehen werden.

Nach einer kurzen Wanderung zum Vereinshaus von Penon folgte ein Foto-Vortrag von Buchautor und Landschaftsökologe Martin Schweiggl. Der Referent ist ein profunder Kenner dieser einzigartigen Landschaft und hat auch das Buch „Einzigartiger Fennberg“ verfasst. Mittels beeindruckender zeitgenössischer und historischer Fotografien nahm Martin Schweiggl die Zuhörenden mit auf eine Reise durch Natur, Kultur und Geschichte des Fennbergs.

Der Fennberg bildet die rechte Flanke der Salurner Klause, er besteht aus mehreren Terrassen und fällt zum Etschtal mit fast 1.000m hohen Felswänden ab. Politisch gehört der Oberfennberg zur Gemeinde Kurtatsch, der Unterfennberg zur Gemeinde Margreid. Urkundlich im Jahr 1145 erstmals erwähnt, aber bereits seit der Bronzezeit nachgewiesen genutzt, wurde diese Hochfläche im Mittelalter in der heutigen Form besiedelt. Das Augustiner Chorherrenstift von St. Michael an der Etsch überließ deutschstämmigen Siedlern den Fennberg zur Rodung und Kultivierung, es entsteht die Einzelhofsiedlung, wie wir sie heute kennen. Die Landwirtschaft diente der Selbstversorgung, nur Salz und Wein mussten auf den Fennberg „importiert“ werden. Der Fennberg war bis 1828 ein eigenes Gericht und bis 1926 eine eigene Gemeinde, das sich bei einer Einwohnerzahl von rund 100 Seelen wohl mit der abgeschiedenen Lage erklären lässt.

Historisch führten drei Wege auf den Fennberg, von Aichholz (Roveré della Luna, Trentino) über das Höllental auf den Unterfennberg, von Margreid auf den Unterfennberg sowie von Kurtatsch über Penon auf den Oberfennberg. Im Jahre 1903 wurde die erste Seilbahn auf den Fennberg errichtet, im Jahr 1960 folgte die heute noch bestehende Straße.

Der Fennberg besteht aus Dolomit, es ist ein typisches Karstgebiet mit zahlreichen Höhlen. Vereinzelt kommen Felsfindlinge aus der Eiszeit vor, auch die Entstehung des Fennersees geht auf die Eiszeit zurück.

Bereits im 16. Jh befanden sich die Mehrzahl der Höfe am Fennberg im Besitz von Talbauern aus dem Etschtal und wurden für die Sommerfrische genutzt. Die ungesunde, versumpfte und malariaverseuchte Etschtalebene wurde für die Sommermonate vom vermögenden Teil der Bevölkerung zu Gunsten der Höhenluft verlassen, so dass die Bevölkerung in den Sommermonaten am Fennberg auf das dreifache anstieg. An den Höfen entstanden neben Bauernhaus und Stadel vornehme „Herrschaftshäuser“ sowie Kapellen. Häufig finden sich an den Hofstellen auch prächtige Baumexemplare, Ahorn, Eschen und Linden, welche in der Vergangenheit geschneitelt wurden um das Vieh mit Laubfutter zu versorgen.

Heute hat die Sommerfrische am Fennberg nur mehr eine geringe Bedeutung, die Höfe werden überwiegend ganzjährig bewirtschaftet. Der Fennberg ist dank der Straße ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge geworden, der Fennbergersee ist ein beliebter Badesee. Am Ende des Vortrags trug Martin Schweiggl noch einen kurzen Abschnitt zur Eibe aus seinem Buch „Wächter des Waldes“ vor.

Anschließend führte die Fahrt über die abenteuerliche Fennberger Straße auf das Hochplateu des Fennbergs. An Mammutbaumexemplaren vorbei und über den Oberfennberg gelangten wir zum Unterfennberg, wo Rainer Ploner und Renato Sascor, in der Eigenschaft als Direktor und Stellvertreter des Forstinspektorats Bozen I, über das ihnen anvertraute Gebiet und seine Eigenschaften berichteten.

Der Bezirk Bozen I zeichnet sich durch seine große Vielfalt aus, sowohl die Flora und Fauna als auch die Geologie sind sehr abwechslungsreich und die Höhenstufen reichen von submediterran bis subalpin. Teil des Bezirks ist auch der Naturpark Trudner Horn, dessen Fläche zu 90% bewaldet ist.

Am Fennberg überwiegen Fichten-Tannen-Buchenwälder, auch Lärche und Kiefer kommen vor. Die Tanne verjüngt sich gut, sie befindet sich hier in ihrem Optimum, auch wenn der Verbissdruck im Zunehmen begriffen ist. Rotwild kommt am Fennberg nur sporadisch vor, vermutlich ist es dafür zu trocken, es gibt kaum ganzjährig Wasserquellen. Auch die Gamsjährlinge erreichen am Fennberg ein geringeres Gewicht, vermutlich aus demselben Grund. Die Wasserversorgung für die Menschen am Fennverg erfolgt mittels einer langen Leitung aus dem angrenzenden Trentiner Höllental.

Waldbaulich interessant ist der Oberfennberg, seit jeher eine Fraktion der Gemeinde Kurtatsch. Im Jahr 1840 zählte man am Oberfennberg 82 Einwohner auf 12 Höfen, ab dem Ende des 19. Jahrhunderts ging es mit der Einwohnerzahl rapide abwärts. Die adeligen Besitzer am Oberfennberg kauften gezielt nach und nach alle Höfe auf und es kam zu großflächigen Aufforstungen, überwiegend mit Fichte. Heute umfasst der adelige Forstbesitz samt Eigenjagd rund 600 ha, er wird mittels eines Waldbehandlungsplan bewirtschaftet. Eigentümer war vordem die Familie Pretz und ist heute Graf von Kuenburg, zum Besitz gehört auch das im 19. Jh im Renaissancestil errichtete Schloss Ulmburg.

Nach einem kurzen Abstecher zum Fennberger See folgte in den beiden Gasthäusern „Zur Kirche“ und „Plattenhof“ ein ausgiebiges Mittagessen, welches den Tag des Baumes abrundetet.


Ein großes Lob und Dankeschön gilt den Organisatoren und Vortragenden im Namen aller Exkursionsteilnehmer.

Barbara Trojer