47. Vollversammlung in Terlan mit Vorträgen zum Thema Wald und Bergbau
Am 6. März fand in Terlan die 47. Vollversammlung des Südtiroler Forstvereins statt. Zu diesem Anlass referierten zum Thema Wald und Bergbau Wolfgang Weger, Amtsdirektor des Forstinspektorats Bruneck, und Armin Torggler, Stellvertretender Direktor Landesmuseum Bergbau.
„Bergbauwälder in Prettau“
Vortrag von Wolfgang Weger – Amtsdirektor Forstinspektorat Bruneck
Der Bergbau in Prettau geht bereits auf prähistorische Zeiten zurück. Die erste Erwähnung erfolgte im Jahre 1426, mit dem Guss von zwei Kanonen „Adler von Tirol“ zur erfolgreichen Belagerung der Burg Greifenstein (bekannt als Sauschloss in der Nähe von Terlan).In Dokumenten aus dem Jahre 1748 sind verschiedene Waldschädigungen in den Prettauer Wäldern aufgelistet. Die Wälder gehörten zum Bergwerk und nicht das Bergwerk zum Wald, darin sieht man schon die Wichtigkeit des Bergwerkes. Unter anderem werden Schädigungen durch Streunutzung, Ziegenweide, Mähen von Freiflächen, aber auch Holzdiebstahl von Ästen aufgelistet. Diese Feststellung ist darauf zurückzuführen, dass der Wald für Stütz-, Brenn- und Bauholz übernutzt wurde und demzufolge keine nachhaltige Bewirtschaftung möglich machte.
Die starken Nebennutzungen des Waldes in Prettau sind eine Folge der hohen Bevölkerungszahl, welche im Jahre 1763 1032 Personen betrug und im Jahr 1852 immerhin noch 894 Personen aufwies.
Im Jahr 1852 hatte Sand in Taufers nur noch lediglich 496 Einwohner.
Zum Vergleich liegen die Einwohnerzahlen in Prettau heute bei 510 und bei Sand in Taufers bei 5740 Personen.
Die Einwohner hatten alle einige Ziegen, welche im Wald weideten, aber auch Brenn- und Bauholz brauchten sie für die langen Winter in Prettau.
Der Schutz der Prettauer Bergbauwälder ging so weit, dass vorgeschlagen wurde, Schaufel- und Fäustlingsstiele vom benachbarten St. Peter zu besorgen, welche der Waldaufseher direkt zum Bergwerk liefern soll.
Bei einem Vortrag in Meran, über die Waldvernachlässigung und Waldverwüstung in Tirol aus dem Jahre 1872, wurde über die einstigen ausgedehnten Zirbenwäder in Prettau berichtet, welche jedoch jetzt verschwunden sind und nur mehr eine trostlose Öde mit einigen Bergerlen vorherrscht.
Seit den 1980er Jahren wird versucht mit intensiver Aufforstung, kombiniert mit Lawinenverbauungen, die Schäden durch den Bergbau zu reduzieren und die Sicherheit vor Lawinen zu erhöhen. Mit großem Erfolg, wie die Bilder beweisen.
„Waldnutzung zur Zeit des aktiven Bergbaus in Südtirol (Mittelalter bis 20. Jahrhundert)“
Vortrag von Armin Torggler - stellvertretender Direktor Landesmuseum Bergbau
Der Bergbau in Südtirol hatte seine Hochblüte im Spätmittelalter bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert. In jener Zeit hatte fast jede Gemeinde ein Bergwerk.Im Bergbau wird unterschieden zwischen:- Obertägigen Bergbau (z.B. Steinbrüchen, in einigen Fällen auch Erzbergbau: z.B. in Prettau unterhalb des Rötkreuzes oder am Schneeberg), obertägiger Bergbau benötigt kaum Holz
- Untertägiger oder Stollen-, bzw. Schachtbergbau: Untertägiger Bergbau benötigt viel Holz, speziell für Zimmerungen oder für Arbeitseinbauten
Für Zimmerungen unter Tage wurden historisch bestimmte Holzarten bevorzugt:
- langfaseriges Fichtenholz für die Firste
- Gerbstoff- und harzreiches Lärchenholz für die Stempel
Die größten Holzverbraucher im Bergbau waren jedoch die Schmelzwerke.
Auf dem Gebiet des heutigen Südtirols befinden sich keine Steinkohlelagerstätten, weshalb für den Schmelzbetrieb ausschließlich auf Holzkohle zurückgegriffen werden musste.

Waldnutzung und Holzgewinnung wurde ab den 1490er Jahren in die Berggesetzgebung eingebunden: Holzknechte und Köhler gehörten ab diesem Zeitpunkt zu den sogenannten „Bergverwandten“.
1494: ausschließlich der zuständige Bergrichter konnte den Bergbauunternehmern Wälder für die Nutzung zuweisen, Forstmeister, Pfleger und Landrichter hatten dagegen keine Einspruchsmöglichkeit mehr. Ausgenommen waren nur Wälder im Besitz von Adeligen.
1517: Es wird allen Bergleuten (Knappen) gestattet aus den Wäldern, die den bäuerlichen Gemeinden gehören, soviel Holz zu entnehmen, wie sie für ihren persönlichen Bedarf brauchen.
1517: den Bergbauunternehmern und den Köhlern wird gestattet an allen Stellen, die der Bergrichter ihnen verleiht, Kohlplätze und Schmelzwerke zu errichten.
1525: in vielen Landesteilen herrscht Holzmangel, insbesondere in den Städten Bruneck, Brixen, Klausen und Meran. Vielen Brücken können nicht repariert werden, weil Bauholz fehlt. In Sterzing erhalten nur mehr jene Schmiede Kohle zugeteilt, die für die Bergwerke arbeiten. Die Untertanen fordern ein landesweites Exportverbot von Holz.

Da in Südtirol keine Steinkohle vorkommt, wurden die Erze zur Weiterverarbeitung noch eine kurze Zeit, in solche Gebiete transportiert. Bis der Bergbau in Südtirol, wirklich aus Mangel an Holz zum Erliegen gekommen ist.
Christian Lamprecht


