Bericht von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Bericht zum Vortrag „Spielt unser Wetter verrückt?“

Die Vortragsreihe des Südtiroler Forstvereins am 17. Mai in Klausen stand ganz im Zeichen des Wetters. Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, welches das häufigste Gesprächsthema überhaupt ist, zeigte die zahlreiche Teilnahme der Vereinsmitglieder an der Veranstaltung.

Günther Aigner referierte zum Klima im Wandel. Werden wir in Zukunft noch skifahren? Er ist einer der führenden Zukunftsforscher im Bereich des alpinen Skitourismus im deutschsprachigen Raum.

Eingangs erwähnte er, dass er kein Meteorologe oder Klimaforscher ist, sondern seine Feststellungen rein auf langjährige Aufzeichnungen basieren und dass er die globale Erwärmung und auch das menschliche Dazutun nicht abstreiten will.

Ausgangspunkt für seine Nachforschung war die pessimistische Berichterstattung in den Medien bzw. Studien in den Jahren 2005 und 2006. Darin wurden ab dem Jahr 2020 für ganz Bayern (außer Zugspitze) und für fast das gesamte Nordtiroler Unterland (z.B. Kitzbühel) nicht mehr schneesichere Winter vorhergesagt.

Anhand seiner Untersuchung einiger ausgewählter Wetterstationen konnte er feststellen, dass die Wintertemperatur (1.Dezember bis 28. Februar) in den letzten 30 Jahren stabil geblieben ist und die Schnneehöhe z.B. in Kitzbühel in den letzten 100 Jahren um lediglich 7cm zurückgegangen ist.
Er untersuchte auch die Länge der Schneebedeckung, welche zum Beispiel in Kirchberg in Tirol, stabil bei 122 Tagen liegt.

Was die Skisaison betrifft ist diese im Untersuchungszeitraum auch gleichgeblieben, weil im Frühjahr niemand mehr Lust hat Ski zu fahren, obwohl noch Schnee vorhanden wäre, wie heuer im Mai. Was aber schon aufgefallen ist, ist der Einschneizeitpunkt, welcher mithilfe von technischem Schnee gesteuert werden kann. So kann man den Saisonbeginn schon im Voraus garantieren und ist nicht der Variabilität der Natur ausgesetzt, welche z.B. in Montafon (1080m) den 28. November als durchschnittlichen Einscheiungstermin aufweist, aber auch eine Abweichung von bis zu 20 Tagen vorher bzw. nachher.

Günther Aigner ging auch kurz auf die Sommertemperaturen ein, welche einen ganz anderen Trend aufzeigen. Hier konnte er feststellen, dass die Sommertemperatur in den letzten 40 Jahren um ca. 3 Grad Celsius zugenommen hat, gleichzeitig wurde auch eine Zunahme der Sonnenscheindauer von 25% dokumentiert. Dadurch ist auch die Gletscherschmelze und der Anstieg der Wald- und Vegetationsgrenze zu erklären.
Abschließend kann gesagt werden, dass die moderne Wissenschaft keine zuverlässigen Angaben über die alpinen Schneeverhältnisse bis zum Jahr 2050 machen kann. Mittelfristig überlagert die regionale Klimavariabilität allgemeine Trends.

Das zweite Referat des Tages gestaltete Günther Geier, Koordinator des Landeswetterdienstes mit dem Thema „Extreme Wetterereignisse im Alpenraum - Indikatoren für Klimaveränderung?“
Seine Ausführungen begann er mit der Behauptung, dass es Wetterextreme schon immer gegeben habe, da aber verlässliche Daten höchstens 150 Jahre zurückreichen, ist eine Quantifizierung und ein Vergleich mit heute schwierig. Er zeigte auch einige historisch belegte Wetterextreme auf:
  • Große Hochwässer in Südtirol u.a.: 1757, 1758, 1821, 1844, 1857, 1878, 1882
  • „Jahr ohne Sommer“ 1816
  • Überschwemmung von Salurn im Juli 1981 sowie von Tramin im Jahr 1986, aber auch dass es im Jahr 1975 Rudi Carrell, aufgrund eines kühlen Sommers, dazu bewog das Lied „Wann wird es wieder richtig Sommer“ zu singen.

Anschließend ging er kurz auf den Sturm Vaia ein, welcher die Besonderheit hatte auch in tiefere Lagen vorzudringen, so z.B. im Gadertal, bis auf 1000 m Seehöhe. In den übrigen Teilen Südtirols ist er deutlich höher geblieben (subalpine Stufe). Normalerweise werden solche Stürme nur auf den Bergen festgestellt.

In Deutschnofen wurde bei der Messstation, im Bereich des Dorfes, am 29.10. 2019 mit 120 km/h die höchste Windgeschwindigkeit erreicht.

Günther Geier geht bis 2050 von einer Temperaturzunahme um 1,5 – 2 °C aus, welche hauptsächlich durch den erhöhten CO2-Ausstoß verursacht wird. Er vertritt auch die These, dass eine sofortige Reduzierung des CO- Ausstoßes sich erst in 20 Jahren auswirken wird.

Er erklärte auch, dass ein Anstieg der Durchschnittstemperatur von 2°C auf den ersten Blick nicht besorgniserregend scheint, jedoch sei zu bedenken, dass bei der letzten Eiszeit, die Durchschnittstemperatur nur 4-5 °C tiefer lag als heute. Aber auch, dass sich durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur die Extremwerte auch verschieben werden. So wird zurzeit eine Temperatur von 37-38°C als Extremwert eingestuft, bei einem durchschnittlichen Anstieg von 2°C wird sich die Extremtemperatur auf 39-40°C belaufen.

Bei der Niederschlagsmenge ist laut seinen Untersuchungen kein signifikanter Trend erkennbar. Im Sommer sind die Niederschläge aber eher rückläufig, während sie im Winter eher zunehmen. Die Modelle zeigen jedoch keinen Trend voraus.

Anschließend an die Referate, gab es noch einige Fragen, die von den Referenten breitwillig beantwortet wurden.


Christian Lamprecht, Südtiroler Forstverein


Günther Geier
Günther Geier
Günther Aigner
Günther Aigner