Bericht von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Beim Holzbau hat Südtirol noch Nachholbedarf

Die 39. Vollversammlung des Südtiroler Forstvereins in Terlan stand ganz im Zeichen des Holzbaus. Hermann Nenning, Zimmermeister aus Hittisau in Vorarlberg, berichtete über die positive Entwicklung des Holzbaus in Vorarlberg und Herbert Niederfriniger über ökologisches Bauen mit Holz.

Zimmermeister Hermann Nenning aus Vorarlbert, Vereinspräsident Christoph Hintner und Herbert Niederfriniger von der Firma holzius
Zimmermeister Hermann Nenning aus Vorarlbert, Vereinspräsident Christoph Hintner und Herbert Niederfriniger von der Firma holzius

In Vorarlberg ist es gelungen, die Architekten mit ins Boot zu holen und für den Baustoff Holz zu begeistern. Dadurch sind viele moderne Holzbauten entstanden, vom Eigenheim, über das Gemeindehaus bis hin zur Feuerwehrhalle.

Vorarlberg ist bekannt für seine moderne Holzarchitektur

Besonders begeistert ist Hermann Nenning von der Baumart Tanne, die in Vorarlberg reichlich vorhanden ist. Tannenholz wird sowohl im Außenbereich als auch im Innenausbau eingesetzt. Da das Tannenholz oft astfrei ist, wirkt es im Innenausbau ruhig und elegant. Mit der Zeit nimmt es eine wunderbare silbergraue Farbe an. In Vorarlberg geht die öffentliche Verwaltung mit gutem Beispiel voran und setzt bei den öffentlichen Gebäuden vermehrt auf den Baustoff Holz.

Holz ist ein wunderbarer Bau- und Werkstoff und sollte auch in Südtirol mehr eingesetzt werden


Südtirol könne sich durchaus ein Beispiel an Vorarlberg nehmen, so Herbert Niederfriniger von der Vinschgauer Firma holzius. In Südtirol spielt der Baustoff Holz bei den öffentlichen Gebäuden nur eine untergeordnete Rolle. Auch im Vergleich zu den Nachbarländern ist der Anteil des Holzbaues in Südtirol immer noch gering.

Holz ist nicht nur ein wertvoller Rohstoff, der ständig nachwächst und folglich auch in Zukunft noch vorhanden sein wird, sondern er ist auch noch ein sehr umweltverträglicher und klimaschützender Rohstoff: „Wer mit Holz baut, leistest also einen Beitrag zum Klimaschutz.“ Zudem ist Holz, im Gegensatz zu den meisten anderen Baumaterialien, recycelbar, wenn die spätere Verwertung beim Bau mitbedacht werde. „Und der Abfall wird künftig ein großes Thema sein: 60 Prozent unseres Abfalls wird nämlich aus der Bautätigkeit anfallen“, so Niederfriniger. Holz komme auch ohne Chemikalien aus, die in vielen anderen modernen Baumaterialien enthalten seien. Und außerdem hat Holz eine behagliche Wirkung: „In einem Holzhaus kann man gut und gerne bis zu 2 Grad weniger Raumtemperatur haben und man empfindet es doch gleich behaglich wie in gemauerten Räumen“, sagt der Vinschger Holzfachmann.

Holz verdiene sich also einen besseren Stellenwert, betonte Niederfriniger – und sprach damit den Mitgliedern des Südtiroler Forstvereins aus der Seele. Es ist ein langlebiger Rohstoff, der auch mehrgeschossiges Bauen erlaubt und auch in Sachen Brand- und Schallschutz besser ist als sein Ruf.


Christoph Hintner