Bericht von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Ein Blick in die zwitschernde Vogelwelt


Am 5. Mai 2017 fand die traditionelle Frühlingsvortragsreihe des Südtiroler Forstverein statt, für die man drei tolle Experten gewinnen konnte. Alle drei sind nämlich aktive Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Südtirol, ein Verein der sich seit 1974 mit dem Studium und dem Schutz der Vogelwelt aktiv beschäftigt! Im einladenden Dürersaal in Klausen, konnte es kurz nach 9.00 Uhr mit den ersten Referaten losgehen.


Dass die Vögel keine Grenzen kennen und auch weit fliegen können, wussten die meisten Zuhörer wahrscheinlich schon, als IACUN PRUGGER seinen Vortrag begann. Dass aber die alten Griechen, trotz ihrer sehr entwickelten Kultur und Wissenschaft der Meinung waren, dass „Schwalben im Sumpf überwintern, gleich wie die Frösche," war für sie sicher eine echte Überraschung. Dass man unter dem Begriff „Zugvögel“ eine ganze Reihe von verschiedenen Verhaltensweisen verstehen kann, wussten auch nicht alle. Es gibt zum Beispiel Vogelarten, deren Populationen zum Teil ziehen (z.B. in Nordeuropa) und zum Teil Standvögel sind (z.B. im Südeuropa). Das sind dann die sogenannten „Teilzieher“.

Warum ziehen Vögel und welche Wege fliegen sie?

Andere Vögel, wie zum Beispiel der Kreuzschnabel und der Seidenschwanz bewegen sich von Gebiet zu Gebiet auf der Suche nach Nahrung „ohne Plan“ und können in manchen Jahren sogar „Invasionsvögel“ werden. Die richtigen Zugvögel hingegen bewegen sich jedes Jahr von den gleichen Wintergebieten zu den Brutgebieten und zurück. Während dieser Bewegungen benutzen sie immer die gleichen Routen und nutzen auch die gleichen Raststätten. Zugvögel können „nur“ einige hunderte Kilometer fliegen oder einige tausende! Sogar das heimische Rotkelchen zieht jedes Jahr von Süden nach Norden und zurück. Das merken wir aber nicht, weil wir im Sommer die „südlichen“ Gäste bei uns haben, im Winter hingegen die „nördlichen“! Diese Vogelbewegungen konnten früher durch das „Beringen“ und heute durch GPS Sender ganz genau untersucht werden. Die Ergebnisse der Studien zeigen nicht nur, wie genau und wie schnell diese „fliegende Wunder" lange Strecken zurücklegen können, sondern auch wie wichtig auf internationaler Ebene naturnahe Schutzgebiete sind, besonders auch als Raststätten während des Vogelzuges.

Online-Datenbank ornitho.it

Referent Oskar Niederfriniger
Nach so einer spannenden Geschichte machte OSKAR NIEDERFRINIGER mit der Präsentation der Datenbank Ornitho weiter. „Ornitho.it“ ist heute die offizielle Info-Zentrale für die Ornithologen, die sich dem Studium und dem Schutz der Vogelwelt sowie dem Birdwatching widmen. Nicht nur Vögel, sondern auch andere Tier- und Pflanzenarten kann man über dieses System melden und zugleich interessante Informationen erhalten. Dies ist eine moderne Plattform, die die Verwaltung und das Sammeln von Daten erleichtert. Vogelbeobachtungen zusammenzulegen war aber nicht immer so einfach: Bis vor einigen Jahren, kamen die Meldungen noch in allen möglichsten Schriften und Formaten an! Eine richtige Ordnersammlung mit Briefen und Postkarten hat Oskar Niederfriniger noch bei sich zu Hause!


Vögel des Siedlungsgebietes und des Kulturlandes und Vögel des Waldes und ihre Ansprüche

Leo Unterholzner
Die zwei ersten Präsentationen hatten das Publikum so fasziniert, dass nach dem üppigen „Halbmittag“ nur noch Zeit für ein Thema blieb. LEO UNTERHOLZNER stellte ausführlich die Vögel des Siedlungsgebietes und des Kulturlandes vor. Die Botschaft, dass man nicht mit der Fütterung der Vögel im Winter, sondern mit dem Erhalt von extensiv bewirtschafteten Lebensräumen am meisten für die zwitschernde Welt tun kann, sollte jedem in der Runde geblieben sein. Auch dass jeder seinen kleinen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität und der Natur tun kann, z.B. auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon, sollte sich jeder gemerkt haben!

Giulia Ligazzolo