Bericht von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Zweitageslehrfahrt in das Passeiertal

Am 26. und 27. Juni 2018 fand der Zweitagesausflug des Südtiroler Forstvereins in das Passeiertal statt.

Die Teilnehmer wurden von der Forststation St. Leonhard bei einem Buffet am Sandhof, dem Geburtshaus von Andreas Hofer, begrüßt. Nach der Einteilung der Gruppen ging es schon los.

Die Gruppe A begann mit einer Besichtigung des Steinwildgeheges beim Bunker Mooseum in Moos. Anschließend lud Franz Wieser, ehemaliger Förster der Domänenverwaltung, die Gruppe zu sich nach Hause ein, wo er sie mit einen guten Flascherl Wein und Gebäck verwöhnte. Gestärkt ging es dann endlich los zur Passerschlucht. Der neu errichtete Weg wurde 2015 nach vier Jahren Bauzeit eröffnet. Die Wanderung wurde von Förster Josef Pichler und den Anlagenverantwortlichen der Stomgesellschaft ENERPASS Franz Schwienbacher begleitet. Dadurch konnten viele Informationen über Wegebau und Finanzierung sowie Besonderheiten in Erfahrung gebracht werden. Der herrlich angelegte Weg, die angenehme Temperatur sowie die Schönheit der Natur machten die Wanderung zum Genuss. Nach zwei Stunden Gehzeit, wurde bei der Jausenstation Hinterbrugger eingekehrt. Bei Gulasch und Knödel waren die Strapazen bald vergessen. Pseirer Krapfen rundeten das gute Essen ab. So gestärkt ging es dann wieder weiter Richtung St. Leonhard.

Die Gruppe B startete von Ulfas (oberhalb von Platt) in Richtung Matatzspitze (2179m). Unterwegs wurden die Bewirtschaftung der Bergmähder, der Weidedruck durch die Passeirer Gebirgsziege, aber auch Weideverbesserungsmaßnahmen angesprochen. Gleichzeitig konnte man auch beobachten das es nicht nur im Vinschgau Bewässerungswaale gibt sondern auch im Passeiertal. Belohnt wurden die Teilnehmer mit der herrlichen Sicht über das gesamte Passeiertal. Zu Mittag wurde bei der Schartalm eingekehrt, der Abstieg erfolgte über die Ulfaser Alm.

Die dritte Gruppe wanderte vom Pfandlerhof in Prantach (St. Martin) zur geschichtsträchtigen Pfandleralm. Hier konnte der Heugaden besichtigt werden, bei dem Andreas Hofer 1810 gefangen genommen wurde. Über einen neu errichteten Felsenweg ging es weiter in das Fartleistal zur Prantacher Alm, wo sich die Teilnehmer mit Schöpsernen und Knödel stärken konnten. Von dort ging es über einen alten Kirchweg, den Erlenweg, der vor kurzem saniert worden ist, zurück nach St. Leonhard.

Die Busse brachten die Wanderer ins Hinterpasseier zu den verschiedenen Unterkünften und anschließend in den Gasthof Schönau an der Timmelsjochstraße, wo das gemeinsame Abendessen stattfand. Vorher stellte Dr. Klotz Peter, Amtsdirektor des Forstinspektor Meran, die landschaftsschonende Erschließung der Passeirer Bergmähder mit Einbau der Rasenziegel in die Wegböschungen vor, zudem erklärte er auch, dass die Erschließung der Bergmähder an einen freiwilligen Düngeverzicht gekoppelt ist. Rinner Arnold, seines Zeichen Lehrer von Platt / Hinterpasseier und Naturparkführer, stellte in eindrucksvoller und kurzweiliger Form die Besonderheiten und Gegensätze des Naturparkes Texelgruppe vor.
Diese Gegensätze gehen einerseits von einer großartigen Naturlandschaft bis zu einer seit über 5000 Jahren von Bauern geschaffenen Kulturlandschaft, aber auch von Wasserknappheit und Wasserreichtum innerhalb des Naturparkes, was demzufolge sich auch bei Flora und Fauna wiederspiegelt.
Am Tag darauf startete die Gruppe A über die obere Glaneggalm zum Seebersee. Dank Dr. Rinner Arnold, welcher die Gruppe begleitete, konnte auf verschiedene botanische Besonderheiten eingegangen werden. Auch konnte Steinwild beobachtet werden. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Seebersee ging es weiter zur Seeberalm, wo der Mittag bereits wartete. Anschließend ging es wieder zurück zum Parkplatz. Laut Rinner Arnold hatte er noch nie eine so interessierte Gruppe – und das obwohl er bereits seit vielen Jahren Naturparkführer ist.

Die Gruppe B startete direkt zur Seeberalm und dann weiter in Richtung Rabensteiner Alm. Auf dem Weg dorthin konnten Revitalisierungsflächen für Birkwild besichtigt werden. Hier wurden im vergangenen Jahr Alpenrosen händisch ausgerissen. Klingt komisch, funktioniert aber gut und ist nachhaltiger und vor allem schonender als andere Eingriffe. Der größte Vorteil ist, dass der restliche Pflanzenbestand unbeschädigt bleibt. Die verbleibenden Heidelbeeren bieten sich geradezu an für das Birkwild und auch die Weide wird verbessert.
Am Gegenhang konnte die tags zuvor erwähnte Erschließung der „Ruaner Mahder“ direkt begutachtet werden.

Die dritte Gruppe wanderte über die Timmelsalm, welche erst vor kurzen neu errichtet wurde zum Schwarzsee. Die Timmelsalm ist eine von zwei Gerichtsalmen im Passeiertal, die andere ist in Pferlders, die Lazineralm. Sie ist mit ca. 2000ha die größte Alm des Passeiertales. Das besondere an einer Gerichtsalm ist das jeder Bauer vom Tal sein gesamtes, vom eigenen Futter überwintertes Vieh, auftreiben kann und das keine Ankündigung notwendig ist, weshalb man vor Almauftrieb nie genau weis wieviel Stück Vieh den Sommer auf der Alm verbringen. Es gab schon Sommer mit über 600 Rindvieher, in den letzten Jahren ist jedoch ein Rückgang zu beobachten. Da es eher windig und kühl war, ging es gleich weiter in Richtung Karlscharte (2665m) und dann ins Knappendorf St. Martin am Schneeberg. Nach einem zünftigen Mittag wurde ein kurzer Stollen begangen und es erfolgte der Abstieg über die Obere Schenneralm nach Schönau wo sich am späteren Nachmittag alle drei Gruppen wieder trafen, und der Zwei-Tagesausflug abgeschlossen wurde.

Abschließend kann gesagt werden das die zwei Tage in Hinterpasseier bei den Teilnehmern einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, gar einige waren bis jetzt noch nie in der Gegend, selbst unser nicht mehr ganz junger Busfahrer von Ulten, kannte das Dorf Rabenstein nur von Erzählungen. Mehrere Teilnehmer sagten sie werden Hinterpasseier bald wieder aufsuchen um besser kennen zu lernen oder auch um Ahnenforschung zu betreiben.
Damit so eine Veranstaltung so gut über die Bühne geht braucht es eine einsatzfreudige Mannschaft, welche wir in den Förstern der Forststation St. Leonhard gefunden haben, deshalb gilt ihnen ein großer Dank.