Meine Art zu kommunizieren
Reinhold Messner, Grenzgänger und Autor
Reinhold Messner berichtete von seiner eigenen Art der Kommunikation, die er nicht unbedingt immer für die beste hält und warnte gleichzeitig vor seiner Vorgehensweise. Er sei kein Vorbild für Kommunikation. Sein Motto lautet: „Ich bin, was ich tue“ und dazu braucht er weder Pressesprecher noch Kommunikationsberater.
Messner bringt sich ein, wenn er gefragt wird und tritt nie selbst an die Medien heran. Denn wenn man unbedingt etwas kommunizieren will, wird es von den Medien nicht angenommen. Sie kommen von selbst, wenn sie Interesse haben.
„Ich bin kein Vorbild für Kommunikation, ich bin was ich tue“
In Zusammenhang mit dem Wald hat es in den letzten 30 Jahren vor allem das Schlagwort Waldsterben gegeben. Damals wurde vorausgesagt, dass es heute keinen Wald mehr geben wird. Damals war man nicht in der Lage, klar zu machen, wie der Wald nachhaltig zu besetzen sei.Messner drückt sich durch das, was er tut, persönlich aus. Klettertouren sind eine Kunstform, sich selbst auszudrücken – wie ein Künstler das auch tut. Deshalb zieht es auch Aufmerksamkeit auf sich. Auch seine Touren durch die Antarktis und die Wüste Gobi waren nicht unbedingt etwas Notwendiges. Er bezeichnete sich selbst als „Eroberer des Nutzlosen“ und weist auf den Unterschied von Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit hin.
Authentizität, Sprache, Gestik, Körperhaltung und Bilder helfen beim Erzählen
Messner hat seine Taten als Erzähler an die Öffentlichkeit gebracht, als Barde nachdem er von seinen Abenteuern zurückgekehrt ist. Dabei berichtete er von seinen Eindrücken und ist beim Erzählen immer dort, worüber er erzählt. Das sei ganz wichtig.Ebenso wichtig ist ihm die Sprache, Kommunikationsmittel Nummer 1, wobei Messner für sich die Hochsprache gewählt hat. Auch Gestik, Körperhaltung und Bilder helfen beim Erzählen.
Für Reinhold Messner ist es ein Glück, dass es zu „seinen Zeiten“ noch kein Internet gab. Heute geht jede Bergtour direkt an die Öffentlichkeit, sodass keiner mehr ein Buch schreiben muss oder einen Vortrag halten braucht, weil alle alles schon in Echtzeit erfahren haben. „Wir kamen damals nach Hause und die Menschen waren interessiert daran, was wir erlebt haben.“
Museumskonzept: die Umgebung ins Museum einbinden
Seit über 10 Jahren ist Reinhold Messner Museumsgestalter. Auch diese Tätigkeit hat er nicht im eigentlichen Sinne gelernt, genau wie alle anderen Tätigkeiten, die er in seinem Leben ausgeübt hat. Die Museumsprojekte, die er betreibt sind so angelegt, dass sie über sein Leben hinaus reichen. Er musste zunächst eine Marke erfinden mit einem einfachen und einprägsamen Logo, das international verstanden und angenommen wird.Beim Bau sucht er jeweils den perfekten Ort für seine Museen, sonst würde er mit seinen Investitionen untergehen: Sigmundskron bei Bozen ist eine geschichtsträchtiger und verzauberter Berg seit wieder ein Inhalt hineingelegt wurde. Das Felsenmuseum steht auf einem Felsen 2200 m hoch, umgeben von tausenden Dolomitengipfeln. Das Eismuseum liegt unmittelbar unter dem Gletscher am Ortler. In Juval hat er die heiligen Berge untergebracht, hier hatte Ötzi wahrscheinlich einen Kultplatz und sein Bergvölkermuseum, das in Bruneck entsteht, wird umgeben sein von zahlreichen Bergbauernhöfen.
Messner macht sich die Natur der Umgebung zu Nutze und lässt diese von selbst in die Gebäude hineinströmen wodurch sich ein Erklären der Naturkunde fast erübrigt.
„Was man selbst nicht kennt, sollte man nicht im Munde führen.“
Eine Gefahr beim Kommunizieren liegt für Messner darin, sich für etwas auszugeben, das man nicht ist. Auch Widersprüche im Faktischen sind gefährlich. Man muss stimmig bleiben. Sehr wichtig ist die Unmittelbarkeit bei der Kommunikation. Man muss unter Umständen auch mit Vehemenz bei der Sache sein. Nur dann bekommt man Resonanz.Ein weiterer Grundsatz, den Messner den Anwesenden ans Herz legt: „Was man selbst nicht kennt, sollte man nicht im Munde führen.“ Er selbst äußert sich nur zu Themen, die er kennt und zitiert dabei einen berühmten Bergführer und Erstbesteiger aus Berchtesgaden, der immer auf die Frage gesagt hat, was denn das Wichtigste beim Bergsteigen sei: „Das Wichtigste ist, dass man weiß, wo der Berg steht.“ Denn erst wenn man weiß, was man will, kann man auch ein Ziel erreichen. Zudem muss man sich mit seinem Ziel identifizieren können. Mit Halbherzigkeit kommt man nicht weit.
„Immer ruhigen Fußes“
Auch Ausdauer und Vorsicht sind wichtig. Tibeter grüßen sich mit den Worten „Immer ruhigen Fußes“. Ein Grundsatz, der auch für den Schutzwald sehr gut gelten kann. „Wir handeln immer als Risikomanager. Wir können nicht in der Geschwindigkeit des Fliegens oder des Autorennfahrens die Natur wahrnehmen. Sondern nur zu Fuß können wir die Erde wahrnehmen“. Dazu gehört auch, dass man es wagt, hinauszugehen und eventuell auch zu scheitern. Aus dem Scheitern lernt man mehr als aus Erfolgen. Denn nur die Fehler zeigen uns, was wir falsch gemacht haben. Erfolge aber verschweigen uns, was richtig war, ist Messner überzeugt. „Wer in den Schutzwald geht, stellt sich selbst jedes Mal in Frage und erkennt, dass wir Menschen unendlich kleiner sind als der Kosmos.“Grenzgänger, Autor, Bergbauer, MdEP von 1999 bis 2004; Studium in Padova. Reinhold Messner gehört zu den erfolgreichsten Bergsteigern der Welt. Er schrieb vier Dutzend Bücher.
Seit einigen Jahren widmet sich Reinhold Messner seinem Projekt Messner Mountain Museum (MMM) sowie seiner Stiftung (MMF), die Bergvölker weltweit unterstützt. Er hält Vorträge in der ganzen Welt. Dokumentarfilmer, Autor diverser Artikel in weltweit führenden Fachzeitschriften. Träger zahlreicher Literatur- und Sachbuchpreise, Ehrenmitglied der Royal Geographical Society und des Explorers Club in New York; Auszeichnungen in Italien, Nepal, Pakistan, Frankreich, USA.