Einführung
Tobias Moretti
Schauspieler, Bauer, Forstwirt
Der Mensch war schon immer passioniert von Wäldern. Wald hat mit Passion zu tun, mit mehr als nur Nutzen und Verantwortung, nämlich mit dem Selbstverständnis des Seins. Menschen, die mit dem Wald beruflich zu tun haben, und vor allem die, die in ihm arbeiten und den Wald bewirtschaften, alle, die mit ihm und in ihm leben haben einen mehr als peripheren Zugang zum Wald. Egal wen man trifft – wenn es um Wald geht, spielen Emotionen mit. Das ist vielleicht das Relikt des alten Zaubers, den man immer schon in ihm gefunden hat.
Der Wald braucht Schutz und keinen Medienrummel
Mittlerweile ist zwar eine Generation herangewachsen, die in anderen Kategorien Nutzen sieht und denkt, aber man bleibt dennoch nicht distanziert zum Thema.Ich wurde zu dieser Tagung eingeladen, weil ich naturgemäß einen Umgang mit Medien zu pflegen habe und da wir in einer mittlerweile ausschließlich medial funktionierenden Gesellschaft leben, kann man in mehreren Fachgebieten immer wieder erkennen, dass es um die eine Frage geht: Wie kann man die eigene Sache ins Zentrum medialer Aufmerksamkeit rücken? Ein durchaus verständliches Anliegen, allerdings muss ich auch sagen, dass ich glaube, dass nicht unbedingt jedes mediale Interesse dem Nutzen oder Schutz des Waldes dient. Das ist es nämlich was er braucht, der Wald: dass es ihm nutzt und nicht eine Wiederentdeckung durch den selbst entfremdeten Menschen, der sich im Wald wieder zu finden glaubt.
Funktionalisierung des Waldes
In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Wald v.a. als Naherholungsgebiet zur Kenntnis genommen, touristisch funktionalisiert und dabei kommt er unter die Räder, wenn die Waldöffnung dazu führt, dass ein Betrieb herrscht wie auf der Kurpromenade hier in Meran und dieser sensible Lebensraum gestört wird.Natürlich sind auch forstliche Begriffe eine Funktionalisierung („der Wald, dein Freund und Helfer“). Auch mit dem leider schon maltrattierte und gemarterte Gedanken der Nachhaltigkeit wird oft versucht, das bloße Nutzdenken zu verschönern. Der Begriff der nachhaltenden Nutzung ist zu Beginn des 18. Jh. Geprägt worden. Heute geht es dabei um einen Ausgleich zwischen der ökologischen Nachhaltigkeit, also den Erhalt der Artenvielfalt, ökonomischer Nachhaltigkeit, also der Nutzung der Ressourcen und der sozialen Nachhaltigkeit, nämlich der Verteilung des Nutzens auf die Gemeinschaft.
Gesamtheitlicher Zugang zum Wald
Nur ein gesamtheitlicher Zugang wird dem Wald gerecht. Begreift man den Wald als etwas Gegebenes und uns Anvertrautes im Sinne der bekannten Mietsache der Welt, die wir im Guten Zustand weiterzugeben haben, als einen eigenständigen Lebensraum, der sich mit dem unseren überschneidet, den wir zu respektieren und nicht zu kolonialisieren haben.Der Wald ist eine sensible Wohngemeinschaft für Wald und Wild, die allerdings wenn man sie so sich selbst überlassen würde, heute nicht mehr funktionieren würde. Der Urwald kommt auch nicht bei entsprechender Reglementierung zurück, genauso wenig wie man einen Nutzgarten verwildern lassen kann. Der wird dann eher ein Nacktschneckenparadies als ein funktionierendes Biotop.
Die Nachbarschaft und das Miteinander Leben von Mensch, Wild und Wald funktioniert nur wenn es sich direkt miteinander vernetzt, wo es ein multiples Interesse am Ausgleich ökologischer, ökonomischer, forstlicher, landeskultureller und jagdlicher Notwendigkeiten gibt.
In Tirol geboren, studierte Tobias Moretti zunächst Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Nach einer Theaterausbildung folgen Engagements an namhaften Bühnen Deutschlands und Österreichs. Seit Anfang der 90er Jahre ist er auch zunehmend in Film und Fernsehen präsent und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
Der diplomierte Landwirt bewirtschaftet einen Bergbauernhof in Tirol.