Fachtagung zum Thema Streusalzschäden
Jedes Jahr kommen tausende Tonnen Streusalz im Kampf gegen Schnee- und Eisglätte zum Einsatz. Doch was für die Sicherheit im Straßenverkehr von vorrangiger Wichtigkeit ist, bedeutet für die Wälder in Straßennähe eine große Belastung. Das Streusalz kann über den Boden von den Bäumen aufgenommen werden und Schäden verursachen, oder in Form von Spritzwasser die Pflanzen schädigen.
Etwa 50 Personen nahmen am 27.11.2009 an der Fachtagung zum Thema Streusalzschäden in der Forstschule Latemar teil.
Salzschäden nehmen zu
Prof. Walter Flückinger vom Institut für Angewandte Pflanzenbiologie aus der Schweiz referierte über die Erfahrungen in 30 Jahren Forschung. Obwohl in der Schweiz seit den 80er Jahren sehr sparsam mit Salz umgegangen wird, sind die Schäden letzthin wieder im steigen. Vor allem die privaten Haushalte übertreiben auf den Gehsteigen in den Städten. Auf den Fernstrassen ist es die Gischtbildung, die zu vermehrten Schäden führt. Die Nadeln sind auch noch in 30 m Abstand von der Strasse mit Salzkristallen übersät. Dabei liegt die Chlorkonzentration weit über dem kritischen Wert von 70 ppm. Der Wert ist einer Entfernung von bis zu 5 - 6m von der Strasse besonders hoch und nimmt dann langsam ab. Das Salz stört das Schließen und Öffnen der Spaltöffnungen, was zu ähnlichen Schäden wie die Trockenheit führt. Staubbelastung und die damit verbundene "Verklebung" der Spaltöffnungen verstärken das Phänomen. Auch wurde ein Absterben der Feinwurzeln und der Myzelen festgestellt. Natrium bewirkt außerdem eine chemische Verdichtung des Bodens wodurch das Wasser vermehrt oberflächlich abrinnt. Sekundärschädlinge wie Hallimasch oder der Borkenkäfer können die geschwächten Bäume dann rasch zum Absterben bringen.Laubholz ist resistenter gegen Streusalz
Auf Läubgehölz wurde festgestellt dass der Anteil an Aminosäuren auf salzgeschädigten Bäumen bis zu 5 Mal höher ist das dann zu einem vermehrten Auftreten von Blattläusen führt. Calziumchlorid ist nach den Schweizer Forschungsergebnissen schädlicher als Natriumchlorid.In niederschlagsreichen Jahren wird das Salz vermehr ausgewaschen und die Schäden sind geringer. Feldahorn, Grauerle und Schwarzkiefer sind salztoleranter als Fichte und Tanne, aber auch Vogelbeere. Deshalb sollte der Waldrand mit mehr Laubbäumen bepflanzt werden.
Flückinger gab folgende Ratschläge:
- so wenig Salz wie möglich verwenden
- für gute Wasserableitung sorgen
- Bannstreifen mit etwa 8 - 9 m mit salztoleranteren Baumarten bepflanzen
Studie in Südtirol
Prof. Florin Florineth, der gebürtige Vinschger und nun Professor an der BOKU in Wien leitet die Versuche in Südtirol. Zusammen mit der Abteilung Straßendienst wurden Versuchsflächen in Rein in Taufers, zwischen Toblach und Schluderbach und auf der Fleimstaler Strasse angelegt. Dabei zeigte sich, dass die Schäden vor allem vom Relief der Böschung abhängen. Eine 80-fach höhere Konzentration an Natrium wurde festgestellt. Natrium und Chlor dürften in Etwa gleich an den Schäden beteiligt sein. Auch diese Versuchsflächen in Südtirol zeigen, dass Salweide, Grauerle und Feldahorn resistenter sind als Fichte, Kiefer und Tanne. Prof. Florineth gibt ebenfalls den Rat, sowenig Salz wie möglich zu verwenden und entlang der Strassen Schutzstreifen mit resistenteren Baumarten anzulegen sowie wo möglich Wasserableitungen mit Auffangbecken zu schaffen.Ökologischer Schaden
In der anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass nicht der materielle Schaden als viel mehr der ökologische zu beklagen ist. Bisher wurden zwar die Schäden an Bäumen untersucht und man hat Erfahrung von Schipisten, wo eine Reduktion der Wüchsigkeit auftritt, wenn Salz für die Rennpistenpräparierung verwendet wird. Man hat aber wenig Daten zur Verfügung über Grundwasser und Boden.Bessere Winterausrüstung der Fahrzeuge gefordert
Der Chef des Straßendienstes Dr. Montagner appellierte, die Bevölkerung zu sensibilisieren! Je besser die Autofahrer vorbereitet und für den Winter ausgerüstet sind, desto weniger Salz braucht es. Ein Gesetz wie in Österreich mit Winterreifenpflicht von November bis März mit entsprechenden Strafen und der Weigerung der Versicherungen, für die Schäden ohne entsprechende Ausrüstung zu haften, würde sicher weniger Salzaufbringung zur Folge haben.Baumfreie Streifen entlang der Straße verbreitern
Weiters appelliert er, die baumfreien Streifen zu verbreitern! Wenn mehr Sonne auf die Strasse fällt und wenn nach der Schneeräumung kein Schnee von den Kronen auf die Strasse fällt, braucht es auch weniger Salz! Er möchte die Erfahrungen von den Studien auch in die Straßenbaurichtlinien einfließen lassen. Der viel gepriesene Flüsterasphalt ist im Winter schlechter als der normale Asphalt, da er poröser ist und daher leichter gefriert. Im Jahre 2008/09 wurden auf den 18.000.000 qm Strasse etwa 21.000 t Salz ausgebracht. Das ist ca. 1 kg Salz je Quadratmeter!Landesforstdirektor Dr. Paul Profanter sprach sich ebenso für die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer aus und für eine fachgerechte Gestaltung der Waldränder. Gibt aber auch zu bedenken dass die Bevölkerung auf Schlägerungen neben den Strassen besonders sensibel reagiert und dass daher intensive Aufklärungsarbeit notwendig ist.
Der Direktor des Bauernbundes Dr. Rinner beklagt neben den Schäden an Bäumen, welcher ökonomisch nicht zu sehr ins Gewicht fällt, da das Holz momentan keine hohen Erträge erzielt und da das Holz vielfach auf Strassengrund stockt, die Schäden, die das Ausbringen von Splitt in den Wiesen verursacht. Mit den Schneefräsen wird dieser Splitt oft weit in die Wiesen geschleudert.
Fazit: Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer, Verminderung der Salzausbringung wo möglich, die Gestaltung der Straßenböschungen und der Waldränder sowie eine gute Wasserableitung mit Auffangbecken dürften dazu beitragen, die Schäden zu vermindern. Wichtig ist dabei das Gespräch auf Bezirks- und Gemeindeebene zwischen den verschiedenen Abteilungen!
Bericht: Josef Schmiedhofer