Überlebens-Strategien des Tannenhähers und anderer Bergvögel
Univ.Doz. Armin Landmann der Universität Innsbruck referierte eindrucksvoll über fliegende Alpenrosen und Zigeuner, lebende Schneebälle, rote Teppiche, beschissene Wände und nicht zuletzt über die beeindruckende Vorratswirtschaft des Tannenhähers, der eigentlich Zirbenhäher heißen sollte.Bericht: Ulrike Raffl
Das Leben im Hochgebirge stellt härteste Auslesebedingungen an seine Bewohner. Die Lebensbedingungen werden mit zunehmender Meereshöhe immer härter, die Artenzahl nimmt ab, Kälte, Schnee, Wind und Sonneneinstrahlung nehmen zu. Die mittlere Jahrestemperatur sinkt um 0,6°C je 100 m Meereshöhe, der mittlere Jahresniederschlag nimmt um 100 mm je 100 m MH zu. Dabei fällt der Niederschlag vor allem in Form von Schnee, der lange liegen bleibt und die Tiere stark bei der Fortbewegung behindert. Erschwerend hinzu kommt noch der starke Wind.
Strategien der Bergvögel
Die in den Alpen vorkommenden Bergvögel stammen ursprünglich aus Zentralasien und kommen auch am Himalaja vor. Das Schneehuhn stammt aus der arktischen Tundra, Bergwaldvögel wie Spechte, Käuze und das Auerhuhn haben ihren Ursprung in der Taiga.Das Auerhuhn ist ein gutes Beispiel für die Anpassung an lange und hohe Schneelagen – Balzstifte an den Zehen verhindern das Einsinken.
Trotz der Anpassung stellt der Winter ein Problem für die Tiere dar. Auf das verminderte Nahrungsangebot reagieren sie mit einer Drosselung des Stoffwechsels und damit des Energiebedarfes. Diese Spar-Strategie funktioniert allerdings nur so lange die Tiere ihre Ruhe haben – bei Störung und Flucht wird unverhältnismäßig viel Energie verbraucht – ein Verlust der kaum oder gar nicht wieder wett gemacht werden kann.
Das Schneehuhn ist noch besser an das Leben in Schnee und Kälte angepasst. Als „lebender Schneeball“ hat es die geringste Oberfläche im Verhältnis zur Masse und gibt deshalb sehr wenig Wärmeenergie nach außen ab. Mit befiederten Zehen als Schneeschuhen sinkt es im Schnee nicht ein. Das Schneehuhn ist ein Meister der Tarnung. Im Sommer ist es grau mit lebhafter Zeichnung, im Herbst und Frühjahr weiß-grau gesprenkelt. Im Winter bis auf die mittlere schwarze Stoßfeder reinweiß. Doch der Farbwechsel dient nicht nur der Tarnung, sondern auch dem Schutz vor Kälte: anstatt der Farbpigmente wird nämlich Luft ins Gefieder eingelagert und damit die Isolierung verbessert. Schneehühner verbringen die Winternacht in Schneehöhlen (sofern der Schnee locker ist), wo die Temperatur nur wenige Grad unter Null sinkt.


Von den Kleinvögeln ist der Bergpieper am besten an das Leben im Hochgebirge angepasst. Sein Nest ist ausgezeichnet isoliert und die Jungvögel sind in nur 18 Tagen vollkommen ausgebildet.
Andere Arten nisten in Felsspalten, wie etwa der Mauerläufer, mit seinen leuchtend roten Schwingen die „fliegende Alpenrose“. Schneefinken haben eine geringere Bebrüt-Temperatur als andere Vögel und können mit ihren langen spitzen Flügeln hervorragend segeln. Auch die Alpendohle ist ein sehr guter Segler. Sie fliegt tagsüber in tiefere Lagen, um Nahrung zu finden und kehrt abends zum Schlafen in die Hochlagen zurück: Zigeunern als Strategie zum Überleben.
Auch der Fichtenkreuzschnabel muss sich dem Nahrungsangebot durch herumwandern anpassen und den Mastjahren folgen.
Andere Arten nisten in Felsspalten, wie etwa der Mauerläufer, mit seinen leuchtend roten Schwingen die „fliegende Alpenrose“. Schneefinken haben eine geringere Bebrüt-Temperatur als andere Vögel und können mit ihren langen spitzen Flügeln hervorragend segeln. Auch die Alpendohle ist ein sehr guter Segler. Sie fliegt tagsüber in tiefere Lagen, um Nahrung zu finden und kehrt abends zum Schlafen in die Hochlagen zurück: Zigeunern als Strategie zum Überleben.
Auch der Fichtenkreuzschnabel muss sich dem Nahrungsangebot durch herumwandern anpassen und den Mastjahren folgen.
Ökologische Bedeutung der Alpenvögel
Die Alpenvögel sind für die Verbreitung vieler Pflanzen von großer Bedeutung. Die Schmallappigen Gelbflechte wächst beispielsweise nur dort, wo Vögel ihr „Geschäft“ verrichten, was der Flechte auch im Volksmund den Namen „Vogelscheißflechte“ eingetragen hat. Der Ortsname „Rotwand“, der in den Alpen häufig anzutreffen ist, ist auf das Vorkommen dieser Flechte zurückzuführen, die die „beschissenen“ Felswände mit einem roten Überzug versieht.Auch die Preiselbeere ist bei der Verbreitung auf Vögel aufgewiesen. Ihre roten Teppiche sind dort zu finden, wo die Vogelexkremente von Bäumen oder Steinen fallen.
Rabenvögel und Häher sind allesamt sehr schlau und sie verstecken mit Vorliebe Sachen. Der Tannenhäher ist wohl das augenscheinlichste Beispiel dafür, wie Vögel zur Verbreitung von Pflanzen beitragen. Die Arealgrenze von Koniferen und Hasel hängt eng mit der Verbreitung des Tannenhähers und seiner ausgereiften Technik der Vorratswirtschaft zusammen. Der Tannenhäher verfügt über einen Unterzungensack, in dem er die Zirbelnüsse transportiert. Die Schnabelgröße und –form variiert sehr stark bei den verschiedenen Populationen. Bei uns ist der Schnabel des Tannenhähers relativ lang und dünn.
Der Tannenhäher ist ein Spezialist der Zirbenwälder, wo die Zirbe fehlt, lebt er im Fichtenwald, wobei auch das Vorkommen der Hasel eine Rolle spielt. Auch im Fichten-Tannen-Buchenwald kommt der Tannenhäher noch vor. Lärchenwälder werden eher gemieden.
In einen Kehlsack passen bis zu 25 Haselnüsse und bis zu 136 Zirbelnüsse – das entspricht 15% des Körpergewichtes des Vogels. Die Nüsse werden meist dort versteckt, wo wenig oder keine Bodenvegetation vorhanden ist, meist unter Bäumen. Dabei geht der Vogel bis in eine Höhe von 2800 m. In nur 10 bis 20 Sekunden vergräbt der Tannenhäher mit einigen Wischbewegungen 6 bis 8 Nüsse je Versteck. Auf diese Weise vergräbt er in einem Herbst bis zu 100.000 Nüsse (das sind bis zu 25 kg!).
Mitten im Hochwinter schafft es der Tannenhäher, 85% dieser 6000 bis 7000 Verstecke unter der Schneedecke wieder zu finden. Die restlichen 15% dienen der Verjüngung der Zirbe. Die Verstecke sind schnee-, frost-, und windgeschützt und kommen somit den jungen Pflanzen sehr zugute. Durch die Büschelpflanzung prägt der Zirbenhäher stark die Wuchsform der Bäume. Die Wurzeln der Baumgruppe wachsen ineinander und können die Pflanzen besser versorgen. Auch die oberirdischen Äste verflechten sich und bilden eine Fachwerkkonstruktion, die gegen Schnee und Wind bestens bewehrt ist. In der Rottenstruktur bieten sich die Bäume gegenseitigen Schutz – ein Modell, das sich der Mensch bei Hochlagenaufforstungen schon zu nutze macht. Der Zirbenhäher trägt damit ganz wesentlich zur Verbreitung der Zirbe und zur Hochlagenaufforstung bei.
Die Reviergröße des Vogels beträgt 5 bis 7 ha, er lebt standortstreu – nur im Sommer bedient sich der Tannenhäher bei den Haseln in tieferen Lagen. Die Brutbiologie ist eng an die Zirbe gebunden. Die jungen Häher sind im Alter von 100 Tagen erwachsen und müssen 4 bis 6 Wochen vor der Reifezeit der Zirbennüsse selbständig sein. Damit sie das schaffen, muss das Gelege Mitte März angelegt werden. Die Vögel leben monogam - das spart Zeit, weil die Partnersuche entfällt – und bauen gemeinsam das Nest. Das Gelege besteht aus 4 bis 5 Eier, beide Elternteile brüten 18 Tage lang, Ende April / Anfang Mai schlüpfen die Jungvögel. Sie bleiben 24 Tage im Nest und werden weitere 80 Tage von den Altvögeln zu den Verstecken der Nüsse herumgeführt. Im Juni sind die Jungen selbständig und müssen sich ein eigenes Revier suchen und Vorräte für den Winter anlegen.
Neben den verschiedenen Samen (außer Lärchensamen – die mag er nicht) frisst der Tannenhäher auch gerne Obst, Beeren, Fleisch und Larven von Schädlingen. Aufgrund ihres Fettgehaltes sind Hasel und Zirbel dabei die einzigen Nüsse, die man längere Zeit einlagern kann.
Neben den verschiedenen Samen (außer Lärchensamen – die mag er nicht) frisst der Tannenhäher auch gerne Obst, Beeren, Fleisch und Larven von Schädlingen. Aufgrund ihres Fettgehaltes sind Hasel und Zirbel dabei die einzigen Nüsse, die man längere Zeit einlagern kann.