Die Zirbe - Patriarch der Alpen
Ökologie und dendrochronologische Untersuchungen im Penser Tal
Dr. Mario Broll referierte über die Verbreitung der Zirbe in den Alpen und präsentierte die von Dr. Verena Ebner veröffentlichte dendrochronologische Studie über die Zirbe. Aufnahmegebiet war die Traminalm in Pens im Sarntal.Bericht: Ulrike Raffl

Ökologie der Zirbe
Die Zirbe ist eine Halbschattenbaumart des hochsubalpin-kontinentalen Klimagebietes. Sie ist überaus winterfrosthart und erträgt Temperaturen bis -40°C, in der Vegetationsperiode bis -8°C. Als Unterlage bevorzugt sie frische, gründige Rohhumusböden. Verjüngung gedeiht sehr gut auf mächtigen stark saueren Rohhumuspölstern. Bei der Verjüngung spielt der Tannenhäher wesentlich zur Verbreitung bei. Die Zirbe ist eine Schlussbaumart der hochsubalpinen Waldentwicklung und kommt als Pionierbaumart auf Rohhumus und Blockstandorten vor. Eine wichtige Rolle spielen Zirbenwälder als Boden- und Lawinenschutz.Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Zirbe erstreckt sich in Europa von den Alpen (Innenalpen, Ötztaler und Zillertaler Zwischenalpen) bis zu den Karpaten und der Hohen Tatra. In Südtirol kommt die Zirbe im subalpinen-hochsubalpinen Bereich vor - die höchstgelegenen Position:e in den Alpen liegen auf 2465 m / 2680m im Pustertal. Von den Waldgesellschaften besiedelt sie den Lärchen-Zirben-Wald und den subalpiner Fichtenwald. Die Zirbe hat in Südtirol einen Anteil von 5,6% (3.345.976 Vfm) am Gesamtvorrat (60.231.078 Vfm).Im Sarntal kommt die Zirbe im subalpinen- hochsubalpinen Fichten-Wald (1500-2000 m Seehöhe) auf Nord- und Nord-Westhängen vor. Der Jahresniederschlag beträgt hier 1250-1350 mm, der Sommerniederschlag 600-650 mm und die mittlere Jahrestemperatur 8,2-8,5°C. Der Zirbenanteil am Gesamtvorrat im Sarntal (2.734.318 Vfm) beträgt 9% (242.300 Vfm).Dendrochronologische Untersuchung
Auf der Traminalm in Pens (1890-1980 m Seehöhe, Lä-Zi Wald mit Alpenrose) befindet sich einer der fünf Samenwälder für Zirbe in Südtirol. Hier wurde von Frau Dr. Verena Ebner eine Dendrochronologische Untersuchung durchgeführt mit dem Ziel, eine Position:schronologie für das Sarntal zu erstellen und einen Vergleich mit anderen Chronologien des Alpenraumes anzustellen.Für die Studie wurden an 37 lebenden Zirben Bohrkerne in Brusthöhe entnommen und 17 Baumscheiben toter Bäume ausgewertet. Außerdem wurden auch Durchmesser, Höhe und Länge der grünen Krone erhoben. Diese Parameter dienten zur Erstellung der Chronologie und zum Vergleich mit makroklimatischen Ereignissen.Ergebnisse
Am ältesten Bohrkern einer lebenden Zirbe wurden 439 Jahrringe gezählt. An der ältesten Scheibe einer nicht lebenden Zirbe konnten 638 Jahrringe zurückverfolgt werden. Die Länge der Chronologie beträgt kann somit bis ins 15. Jh. zurückverfolgt werden. Dabei war ein ganz wesentlicher Einfluss des Makroklimas auf die Zuwächse zu erkennen. Vor allem während der Kältewelle der „kleinen Eiszeit“ zwischen 1550 und 1850 waren wesentlich geringere Zuwächse zu verzeichnen. Auch der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im Jahr 1815 zeigte in Südtirol seine Auswirkungen. Fast 1.300 Meter des Berges wurden beim Ausbruch weggesprengt. Das darauffolgende Jahr ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Tausende Tonnen Schwefeldioxid wurden bei dem großen Vulkanausbruch freigesetzt und verteilten sich über Jahre als Aerosolschichten in der Stratosphäre.Wie schon erwähnt, wurden am ältesten Bohrkern einer lebenden Zirbe 439 Jahrringe gezählt. Der innere hohle bzw. faule Teil des Stammes kann nur durch extrapolieren datiert werden. Berechnungen haben ergeben, dass der älteste im Sarntal noch stehende / lebende Baum 1018 Jahre alt sein dürfte und mit Sicherheit das älteste Lebewesen im Tal ist. Da ist ein wenig Ehrfurcht angesichts dieser Greise mit „harter Schale und weichem Kern“ wohl durchaus angebracht.