Mensch und Wald in Pens: Tradition, Geschichte und Kultur
Mit viel Herz und Engagement setzte Frau Rosa Innerebner-Reider, Vizebürgermeisterin der Gemeinde Sarntal, den Auftakt der Tagung und erzählte von der Rolle es Waldes im Pensertal.Bericht: Ulrike Raffl
Das Klima im Pensertal ist sehr rau: 8 Monate Winter und 4 Monate kalt – so wird das Wetter hier beschrieben. Aus der Chronik des Tales geht hervor, dass das Penserjoch früher gänzlich bewaldet war. Dies geht schon aus den Statuten von 1665 hervor, wo stand, dass es verboten sei, im Bannwald am Penserjoch Holz zu schlagen, um den Abgang von Lawinen zu verhindern. Warum das Penserjoch heute nicht mehr bewaldet ist, darüber gibt es nur mündliche Überlieferungen, wonach ein schwerer Waldbrand das Joch bis zum letzten Stamm vernichtet hat. Im 7./8.Jahrhundert n.Chr. begann die menschliche Besiedlung des Sarntales durch die Bajuwaren. Die hinterste Fraktion des Tales wurde erst im 13./14. Jahrhundert besiedelt. Der Wald stellte damals die Haupteinnahmequelle der Bauern dar. Da der Transport auf der engen Sarntaler Straße sehr schwierig war, wurde das Holz lange Zeit getriftet.
Um 1850 wurde die Straße in der Sarner Schlucht neu angelegt und nach den großen Unwettern der Jahre 1882 und 1900 nochmals verbessert. Mit der neuen Straße erblühte der Holzhandel des Tales, viele Sägewerke entstanden in dieser Zeit.
Für das Pensertal ist die Schutzfunktion des Waldes von besonderer Bedeutung. Ohne den Schutz des Waldes vor Lawinen, Muren und Wildbäche könnte das Tal nicht besiedelt werden. Dennoch hat es im Laufe der Geschichte immer wieder Schadereignisse gegeben, denen auch der Wald nicht standhalten konnte. Früher haben sich die Bauern mit ein paar Stämmen, damit der Bach nicht ausreißt und einfachen Krainerwänden selbst beholfen. Heute kommt die moderne Wildbachverbauung mit Baggern und Hubschrauber zum Einsatz.
1958 wurden Aufforstungsarbeiten im Tal begonnen. Der damalige Forstamtsleiter Max Steckholzer hatte dabei schwerste Überzeugungsarbeit bei den Bauern des Tales zu leisten, um sie davon zu überzeugen, auf die jahrhundertealte Tradition der Waldweide zu verzichten. Unter den Forstamtsleitern Steckholzer, Hofer und Baumgartner wurden viele Kilometer Steige und Walderschließungswege errichtet, Aufforstungen durchgeführt und Zäune gebaut. Doch obwohl damit von der öffentlichen Hand viele wertvolle Infrastrukturen entstanden sind, konnte nicht verhindert werden, dass durch die schlechten Holz- und Viehpreise fast alle Bauern des Tales zu Nebenerwerbsbauern wurden und die Waldpflege vernachlässigt wurde.
Auch die Luftverschmutzung durch den vielen Verkehr auf der Penserjochstraße, die inzwischen zur Rennstrecke für Motorräder geworden ist, der Modesport Skitourengehen, steigende Rotwilddichten und Pilzesammler, die mittlerweile zur Plage werden setzen dem Wald im Pensertal stark zu.
Ein Schritt in die richtige Richtung ist mit Sicherheit das Heizwerk in Sarnthein – die Heizwerkgenossenschaft zahlt sehr gute Preise und kurbelt die Bewirtschaftung der Wälder wieder etwas an. Eine sehr positive Entwicklung – sie zeigt uns aber auch einmal mehr, dass Geld und Reichtum in unserer Gesellschaft eine viel zu große Rolle spielen und dass die eigentlichen Werte im Leben stark in den Hintergrund gedrängt werden.
Den nächsten Generationen eine gesunde Umwelt zu hinterlassen ist für uns alle ein wichtiger Auftrag und eine große Verpflichtung.