Rotwild im Drama-Dreieck Wildstand-Schaden-Jagddruck
Vortrag von Johann Hirschbichler anlässlich der Vortragsreihe des SFV am 7.10.2005 in Weißenbach.Bericht: Andreas Agreiter
Forstmeister Johann Hirschbichler berichtete in seinem Vortrag über die praktische Umsetzung des von Professor Wölfel vorgestellten Konzeptes der Bewegungsjagd in einem Revier der Österreichischen Bundesforste im Pinzgau/Salzburg.
In Vergangenheit wurde das Rotwild im ÖBF-Forstbetrieb Pinzgau primär durch Ansitz bei bestem Tageslicht bejagt. Nach den starken Windwürfen im Jahr 2002 kam die Befürchtung auf, dass das Rotwild durch den steigenden Jagddruck nur mehr bei Dämmerung auf die großen Freiflächen austreten würde, und die Folgebestände durch ihre Gleichaltrigkeit einer starken Schälgefährdung ausgesetzt wären. Hirschbichler erklärte das Drama-Dreieck Wildstand-Schaden-Jagddruck, dem der Forstbetrieb unweigerlich zusteuerte. Ein hoher Wildstand verursache hohe Schäden und in der Folge einen hohen Jagddruck. Der hohe Jagddruck trage dazu bei, dass ein hoher Wildstand erhalten bleibt, weil nicht ausreichend Rotwild erlegt werden kann. Und somit komme eine nie enden wollende Spirale in Gang. Wirtschaftliche Verluste und beeinträchtigtes Wohlbefinden des Rotwildes sind die Folgen.
Als Alternative wurde daher mit der Unterstützung von Professor Wölfel eine Bewegungsjagd geplant. Durch wenige Eingriffe sollte der Jagddruck reduziert werden, und gleichzeitig die Erfüllung des Abschussplanes erleichtert werden. Eine ausreichende Information der Nachbarjagden über das Vorhaben wurde für wichtig erachtet.
Für einen reibungslosen Ablauf gilt zu beachten, dass jeder Jäger genau weiß, was abgeschossen werden darf. Bei der Standwahl müssen Sicherheit, Kugelfang und Fernwechsel berücksichtigt werden. Einer sorgfältigen Vorbereitung bedarf der Zeitplan, dabei müssen Abfahrt, Zeitaufwand für das Anstellen sowie Beginn und Ende der Jagd mit Nachsicht und Disziplin beachtet werden. Gewöhnlich überschreitet die Schussentfernung kaum 50-80 m. Jede Möglichkeit zur Schussabgabe ist zu nutzen. Dabei ist selbstverständlich die Regel „Kind vor Mutter“ einzuhalten. Die Schützen haben verpflichtend Beobachtungskarten auszufüllen, weil daraus Schlüsse für zukünftige Jagden gezogen werden können. Bei groß angelegten Bewegungsjagden ist eine strenge Disziplin aller Beteiligten gefordert.
Einen zentralen Faktor stellen die Hunde dar. Je 100 Hektar werden etwa 3-4 laut und solo jagende Hunde wie Wachteln, Bracken und Terrier benötigt. Die Hundeführer sind gleichzeitig Schützen. Für Nachsuchen sollen 2-3 Schweißhundegespanne zur Verfügung stehen, welche am Jagen selbst nicht teilnehmen. Ein Tierarzt steht für Notfälle bereit.
Im Jahre 2003 wurde die erste Bewegungsjagd auf einer Fläche von 800 Hektar durchgeführt, im Folgejahr wurde ein Einstandbereich von 100 Hektar integriert. Es wurden rund 10 Schützen pro 100 Hektar benötigt. Im Jahr 2004 waren insgesamt 120 Schützen, einschließlich Hundeführer, im Einsatz.
Die Organisation und Koordination erfolgte im Jagdbüro, welches als Treffpunkt und Abfahrtsort fungierte. Jedem Jäger wurde ein Orthofoto mit den eingezeichneten Ständen in die Hand gedrückt. Auf einem Blatt wurden Regeln, Sicherheitsvorschriften und Telefonnummern aufgelistet. Streckenplan und Krisenplan durften ebenso nicht fehlen. Insgesamt war der Aufwand bei der Organisation der ersten Bewegungsjagd hoch.
Die Jagd dauerte rund 3 Stunden. Was den zeitlichen Verlauf von Rotwildbeobachtungen betrifft, konnte festgestellt werden, dass die meisten Sichtungen vor Jagdbeginn gemacht werden konnten und die Beobachtbarkeit dann rasch absank. Die Abschüsse erfolgten demgemäß hauptsächlich zu Beginn des Jagens. Durchschnittlich wurden 3 Beobachtungen pro Schütze gemacht. Rehwild konnte gegen Ende des Jagens, wo es in die Einstände zurückzog, wieder vermehrt gesichtet werden. Im Jahre 2004 wurde auch gegen Ende der Jagd Rotwild erlegt, weil dieses von den mit bejagten Einstandskernen heraus mobilisiert wurde.
Im Jahre 2003 wurden 11 Stück Rotwild (3 Tiere, 8 Kälber) und 18 Stück Rehwild (5 Geißen, 13 Kitze) erlegt. 2004 hingegen wurden 43 Stück Rotwild (16 Tiere, 15 Kälber, 6 Schmaltiere, 6 Spießer) und 11 Stück Rehwild (3 Geißen, 8 Kitze) erlegt.
Die Trefferquote betrug in beiden Jahren 1,6 Schuss pro erlegtem Stück.
2003 zeigte das Rotwild bereits nach einer Woche dasselbe Verhalten wie vor der Durchführung der Bewegungsjagd. Bei dem stärkeren Eingriff 2004 dauerte es hingegen rund ein Monat bis das Rotwild wieder tagsüber auf die Freiflächen austrat.
Der Forstmeister scheute sich nicht aufzuzeigen, wo Verbesserungsmöglichkeiten bestehen: nämlich hinsichtlich Schuss-Treffer-Verhältnis, Reserveschützen, Einsatz von zusätzlichen Hunden, verbesserte Standwahl, Schulung der Schützen. Anstoß zu Kritik kann auch die Versorgung des erlegten Wildes geben, welche erst nach Ende der dreistündigen Jagd erfolgen kann.
Als positiv erwähnt werden können die Disziplin, das Ausbleiben eines Vertreibungseffektes, die gute Auslese, Organisation/Ablauf und der hohe getätigte Rehwildabschuss im reinen Waldgebiet.
Im Resümee nannte Hirschbichler die Bewegungsjagd als eine interessante Alternative zur effizienten Abschusserfüllung, ohne das Wild stark zu beunruhigen.
In Vergangenheit wurde das Rotwild im ÖBF-Forstbetrieb Pinzgau primär durch Ansitz bei bestem Tageslicht bejagt. Nach den starken Windwürfen im Jahr 2002 kam die Befürchtung auf, dass das Rotwild durch den steigenden Jagddruck nur mehr bei Dämmerung auf die großen Freiflächen austreten würde, und die Folgebestände durch ihre Gleichaltrigkeit einer starken Schälgefährdung ausgesetzt wären. Hirschbichler erklärte das Drama-Dreieck Wildstand-Schaden-Jagddruck, dem der Forstbetrieb unweigerlich zusteuerte. Ein hoher Wildstand verursache hohe Schäden und in der Folge einen hohen Jagddruck. Der hohe Jagddruck trage dazu bei, dass ein hoher Wildstand erhalten bleibt, weil nicht ausreichend Rotwild erlegt werden kann. Und somit komme eine nie enden wollende Spirale in Gang. Wirtschaftliche Verluste und beeinträchtigtes Wohlbefinden des Rotwildes sind die Folgen.
Als Alternative wurde daher mit der Unterstützung von Professor Wölfel eine Bewegungsjagd geplant. Durch wenige Eingriffe sollte der Jagddruck reduziert werden, und gleichzeitig die Erfüllung des Abschussplanes erleichtert werden. Eine ausreichende Information der Nachbarjagden über das Vorhaben wurde für wichtig erachtet.
Für einen reibungslosen Ablauf gilt zu beachten, dass jeder Jäger genau weiß, was abgeschossen werden darf. Bei der Standwahl müssen Sicherheit, Kugelfang und Fernwechsel berücksichtigt werden. Einer sorgfältigen Vorbereitung bedarf der Zeitplan, dabei müssen Abfahrt, Zeitaufwand für das Anstellen sowie Beginn und Ende der Jagd mit Nachsicht und Disziplin beachtet werden. Gewöhnlich überschreitet die Schussentfernung kaum 50-80 m. Jede Möglichkeit zur Schussabgabe ist zu nutzen. Dabei ist selbstverständlich die Regel „Kind vor Mutter“ einzuhalten. Die Schützen haben verpflichtend Beobachtungskarten auszufüllen, weil daraus Schlüsse für zukünftige Jagden gezogen werden können. Bei groß angelegten Bewegungsjagden ist eine strenge Disziplin aller Beteiligten gefordert.
Einen zentralen Faktor stellen die Hunde dar. Je 100 Hektar werden etwa 3-4 laut und solo jagende Hunde wie Wachteln, Bracken und Terrier benötigt. Die Hundeführer sind gleichzeitig Schützen. Für Nachsuchen sollen 2-3 Schweißhundegespanne zur Verfügung stehen, welche am Jagen selbst nicht teilnehmen. Ein Tierarzt steht für Notfälle bereit.
Im Jahre 2003 wurde die erste Bewegungsjagd auf einer Fläche von 800 Hektar durchgeführt, im Folgejahr wurde ein Einstandbereich von 100 Hektar integriert. Es wurden rund 10 Schützen pro 100 Hektar benötigt. Im Jahr 2004 waren insgesamt 120 Schützen, einschließlich Hundeführer, im Einsatz.
Die Organisation und Koordination erfolgte im Jagdbüro, welches als Treffpunkt und Abfahrtsort fungierte. Jedem Jäger wurde ein Orthofoto mit den eingezeichneten Ständen in die Hand gedrückt. Auf einem Blatt wurden Regeln, Sicherheitsvorschriften und Telefonnummern aufgelistet. Streckenplan und Krisenplan durften ebenso nicht fehlen. Insgesamt war der Aufwand bei der Organisation der ersten Bewegungsjagd hoch.
Die Jagd dauerte rund 3 Stunden. Was den zeitlichen Verlauf von Rotwildbeobachtungen betrifft, konnte festgestellt werden, dass die meisten Sichtungen vor Jagdbeginn gemacht werden konnten und die Beobachtbarkeit dann rasch absank. Die Abschüsse erfolgten demgemäß hauptsächlich zu Beginn des Jagens. Durchschnittlich wurden 3 Beobachtungen pro Schütze gemacht. Rehwild konnte gegen Ende des Jagens, wo es in die Einstände zurückzog, wieder vermehrt gesichtet werden. Im Jahre 2004 wurde auch gegen Ende der Jagd Rotwild erlegt, weil dieses von den mit bejagten Einstandskernen heraus mobilisiert wurde.
Im Jahre 2003 wurden 11 Stück Rotwild (3 Tiere, 8 Kälber) und 18 Stück Rehwild (5 Geißen, 13 Kitze) erlegt. 2004 hingegen wurden 43 Stück Rotwild (16 Tiere, 15 Kälber, 6 Schmaltiere, 6 Spießer) und 11 Stück Rehwild (3 Geißen, 8 Kitze) erlegt.
Die Trefferquote betrug in beiden Jahren 1,6 Schuss pro erlegtem Stück.
2003 zeigte das Rotwild bereits nach einer Woche dasselbe Verhalten wie vor der Durchführung der Bewegungsjagd. Bei dem stärkeren Eingriff 2004 dauerte es hingegen rund ein Monat bis das Rotwild wieder tagsüber auf die Freiflächen austrat.
Der Forstmeister scheute sich nicht aufzuzeigen, wo Verbesserungsmöglichkeiten bestehen: nämlich hinsichtlich Schuss-Treffer-Verhältnis, Reserveschützen, Einsatz von zusätzlichen Hunden, verbesserte Standwahl, Schulung der Schützen. Anstoß zu Kritik kann auch die Versorgung des erlegten Wildes geben, welche erst nach Ende der dreistündigen Jagd erfolgen kann.
Als positiv erwähnt werden können die Disziplin, das Ausbleiben eines Vertreibungseffektes, die gute Auslese, Organisation/Ablauf und der hohe getätigte Rehwildabschuss im reinen Waldgebiet.
Im Resümee nannte Hirschbichler die Bewegungsjagd als eine interessante Alternative zur effizienten Abschusserfüllung, ohne das Wild stark zu beunruhigen.