Gesundheit und Wald - Vortragsreihe im Kulturhaus in Welschnofen
Am 09. September 2011, lud der Südtiroler Forstverein zu einer Vortragsreihe, über die gesundheitlichen Auswirkungen des Waldes auf den Menschen.Mit Bussen aus dem Pustertal, sowie aus dem Vinschgau und aus Bozen, trafen ca. 145 Teilnehmer gegen 9.00 Uhr im Kulturhaus von Welschnofen ein und waren schon ganz gespannt auf die nun folgenden Kurzreferate.
Das erste Referat hielt Heinz Blum, Naturarzt und Heilpraktiker aus Thun in der Schweiz, zum Thema: „Apotheke Wald – Der Medizinschrank in unserer Nähe“.
Eine halbe Stunde zu sprechen, ist im Vergleich zur benötigten Zeit, die ein Wald zum Wachsen braucht viel zu wenig, bemerkt er im Vorfeld. Den Wald kann man sinnvoll für die Pharmazie nutzbar machen. Er beleuchtete im Speziellen die Birke als Heilpflanze, welche am meisten im Vergleich zu anderen Waldpflanzen Anwendung findet.
Seit altersher ist die Birke der Baum der Hoffnung. Sie ist ein Frühlingsbaum und es häng ganz von der Therapie ab, ob Blätter, Knospen oder die Rinde verwendet werden. Am besten ist die Verwendung der Frühlingsblätter. Im Frühjahr steht das saftige Grün der Blätter im Kontrast zu den anderen Pflanzen. Die weiße Rinde ist papierartig und wurde im Mittelalter auch als Papierersatz benutzt. So wie beim Baum die Rinde sich abbaut geschieht es auch mit unserer Haut, wobei Birkenelixier als Heilmittel sehr gute Hilfe bei Hautkrankheiten leistet (u.a. wird sie bei Neurodermitis und Schuppenflechte angewendet). Die Birke sucht die Nähe zum Wasser. Damit verbunden, wird die Birke auch als Nierenpflanze angesehen und kann bei Nierenleiden eingesetzt werden, bei Gicht und Rheuma. Birkenblätter können auch bei Harnproblemen eingesetzt werden und sie wirken schweißtreibend. Birke macht die „Säfte gesund und bringt sie wieder in Bewegung“. Sie wurde früher auch gegen Depressionen eingesetzt und wirkt sich bei Jugendlichen bei Schulangst positiv aus. Herr Blum legt besonderen Wert darauf, dass für die Erzeugung der pflanzlichen Heilmittel die Rohstoffe schonend genutzt werden sollen, damit der Umwelt kein Schaden zugefügt wird. Sein Schlusszitat war: „Wir erben die Welt nicht von den Eltern – wir borgen sie von unseren Kindern“.Das zweite Referat hielt Dörte Martens – wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Potsdam am Institut für Sport- und Gesundheitssoziologie, zum Thema: „Gesunder Wald, gepflegte Seele – wie sich die Waldbewirtschaftung auf das Wohlbefinden auswirkt“.
Hintergrund dazu ist ein Forschungsprojekt, wie sich ein gesunder Wald auf die Psyche des Menschen auswirkt. Welche Bedeutung Natur und Landschaft, Raum und Umwelt auf die Gesellschaft hat. Konsequenzen der Urbanisierung sind Konfrontationen mit alltäglichen Belastungen in urbaner Umwelt für den Menschen. Permanent muss man sich auf neue Situationen einstellen. Daraus entsteht ein Bedürfnis zur Erholung. Erholung ist der Gleichgewichtsprozess, der nach einer körperlichen oder geistigen Aktivität oder Stress benötigt wirt. Die Natur bietet eine hervorragende Möglichkeit der Erholung. Gesunde Waldwirtschaft und Vorhandensein von Wasser spielen dabei eine große Rolle. Die natürliche Umwelt vermittelt das Gefühl von Weite und fasziniert. Im Vergleich zur urbanen Umwelt haben natürliche Landschaften positive Effekte. Ermüdete Menschen genießen das natürliche Umfeld mit viel größerer Aufmerksamkeit. Eine offenen Landschaft wirkt sich auf den Betrachter zukunftsorienterend aus und stimuliert zu neuen Ideen. Wild wachsende Landschaften bewegen den Menschen zum gedankenlosen Dahingehen. Verwilderte Wälder vermitteln dem Besucher eine gute Stimmung. Bewirtschaftete und gepflegte Wälder erzeugen aber eine noch positivere Stimmung. Verwilderte Wälder könnten durch Informationen und Aufklärung den Menschen aber näher gebracht werden – z.B. welche Funktion eigentlich Totholz hat. Zum Schluss kann man sagen, dass Labor- oder Fitnessstudios einen realen Naturspaziergang nicht ersetzen könne. Der Wald hat die Ressourcen bzw. die Fähigkeit den Menschen zu heilen.

Exemplarische Darstellung des wilden (links) und gepflegten (rechts) Waldes
Als dritter Referent war Herr Andres Wenning, Architekt aus Bremen in Deutschland an der Reihe. Sein Thema war: „Baumhäuser – Wohnen zwischen den Wipfeln“.
Herr Wenning gab uns bei seinem Vortrag die Möglichkeit, wieder in unsere Kindheitsträume einzutauchen. Selbst beschreibt er sich als Architekt, wobei er auch auf eine Ausbildung als Schreiner zurückschauen kann. In seiner Kindheit baute er selbst tatkräftig an seinen Ideen – damals noch ganz ohne Planunterlagen. Herr Wenning projektierte mehrere Baumhäuser, anfänglich nur in Bremen, dann im benachbarten Ausland und letztendlich auf der ganzen Welt.


Dieses Baumhaus wurde an einen Nussbaum gebaut und hat die Form einer Nuss. Foto: A. Wenning
Die Enttäuschung war den Teilnehmern merklich anzusehen, dass der vierte Referent, Renato Strassmann, nicht anwesend war. Er hatte sich schon auf den Weg von Österreich nach Südtirol gemacht als er wieder umkehren musste, weil es ihm gesundheitlich nicht gut ging. Das Thema: „Der Wald als Spender von Heil- und Lebenskraft, Mythisches und Magisches“ wäre bestimmt ein interessanter Beitrag gewesen.
Bei der anschließenden Diskussion kam vom Publikum nicht sehr viel. Der Moderator Herr Theo Hendrich, versuchte die Diskussion doch etwas anzukurbeln und hatte einige interessante Fragen an die Referenten.
Nachdem wurden die Teilnehmer ersucht sich zu den bereitgestellten Bussen zu begeben. Die Fahrt ging nun weiter bis zum Karersee, der sich uns in seiner tollsten Farbenpracht präsentierte.

Von hier ging der Großteil der Teilnehmer zu Fuß auf verschiedenen Wanderwegen bis zur Forstschule Latemar weiter. Dort angekommen wurden wir alle mit einem deftigen Grillmenü empfangen. Bei gutem Wein und frischem Bier wurde ordentlich zugelangt und obendrauf gab es noch herrliche Nachspeisen mit Obst, Kuchen und Kaffee. An den vielen Tischen konnten während des Essens so manche Gedanken ausgetauscht werden und jeder konnte sich auf seine Weise unterhalten. Leider wurde dieser wunderschöne Tag – der Wettergott meinte es besonders gut mit uns – allzu früh abgebrochen und in den schönsten Nachmittagstunden die Heimreise wieder angetreten. Die Teilnehmer waren aber trotzdem alle sehr zufrieden. Deshalb bedanken wir uns bei den Verantwortlichen für die großartige und gute Veranstaltung und die vorbildliche Organisation. Norbert Franzelin, Forststation Kiens
