Die Waldgesellschaften
Wald wäre in Südtirol von der Talsohle bis in eine Höhe von etwa 2200 Metern die natürliche Vegetationsform. Durch Wald- und Holznutzung ist die natürliche Waldgrenze fast überall um etwa 200 Höhenmeter gesenkt worden.Wald ist nicht gleich Wald. Die unterschiedlichen standörtlichen Bedingungen haben ebenso unterschiedliche Waldgesellschaften zur Folge.
Über 75% des Südtiroler Waldes können als natürliches oder naturnahes Ökosystem eingestuft werden. Das bedeutet, dass in weiten Gebieten unserer Wälder genau jene Baumarten wachsen, die ohne menschliche Eingriffe vorkommen würden - also natürlich sind. Im Vergleich der Naturnähe liegt der Südtiroler Wald damit weit vor den Nachbarländern Tirol und Vorarlberg.
Die Höhenstufe bis 600 m
Auwälder bedeckten ursprünglich die Talsohle des Etsch-, Eisack- und Pustertales. Sie mussten größtenteils der Besiedlung, der Landwirtschaft (Obstbau) und den Verkehrsadern weichen. Begradigung und Aufstau der Flüsse haben den Wasserhaushalt dieser Lebensgemeinschaften weitgehend zerstört. Dies gilt für ganz Europa. Die Tschenglser Au ist ein Rest solcher Auwälder. Mehr über den Auwald…
An den Hängen der wärmebegünstigten Täler bis in etwa 600 Meter Höhe wachsen LaubmischwälderEs sind zumeist Nieder- oder Ausschlagwälder aus Blumenesche, Hainbuche, Hopfenbuche, Edelkastanie und Flaumeiche. Mit vier Prozent ist der Laubwaldanteil an der Gesamtwaldfläche sehr klein. Mehr über Laubmischwälder …
Die Höhenstufe von 600 bis 900 m
Oberhalb 600 Meter Meereshöhe stocken auf trockenen Position:en Kiefernbestände.Auch deren Anteil ist insgesamt gering. Diese „Kiefernregion“ zwischen 600 und 900 Meter Höhe ist weitgehend entwaldet, denn hier sind Siedlungen und Weinberge. Mehr über die Kiefernwälder …
An Schatthängen und bei guter Wasserversorgung kommen auch Buche (sehr selten) und Weißtanne vor, die Mischbeständemit der Fichte bilden. Mehr über den Tannenmischwald …
Die Höhenstufe von 900 bis 2000 m
Ab 900 Meter dominiert der Fichtenwald, meist mit Lärche durchmischt. Bei etwa 2000 Meter Meereshöhe findet er seine natürliche obere Verbreitungsgrenze. Der Fichtenwald ist also die natürliche Waldform in dieser Höhenlage. Er ist nicht - wie in anderen Alpenländern - erst durch Großkahlschläge entstanden. Reine oder gemischte Nadelwälder machen 95 Prozent der Waldfläche Südtirols aus. Mehr über den Fichtenwald …
Wo die Fichte wegen der extremen Höhe oder der Hangexposition ausfällt, prägt immer mehr die Lärchedas Waldkleid, begleitet von der Zirbe. Mehr über den Lärchen-Zirbenwald …
Die Waldgrenze
Die Waldgrenze ist keine fixe Höhenlinie. Sie wird bestimmt durch die 17°C-Juni-Isotherme. Das ist die Höhenlinie, entlang der die langjährige Mitteltemperatur des Monats Juni 17°C unterschreitet. Die Temperatur zur Vegetationszeit ist also der entscheidende Faktor für die Waldgrenze. Die Waldgrenze schwankt je nach den kleinklimatischen Bedingungen zwischen 1900 und 2200 Metern. Fast überall im Alpenraum liegt sie heute tiefer als ursprünglich. Dies ist die Folge intensiver Beweidung in früheren Zeiten.Oberhalb 2000 Meter (örtlich höher) schließt die Latschenregion - auf Kalk und Dolomit - oder die Grünerlenregion - auf Urgestein - an. Einzelne Zirben begleiten sie. Latschen oder Grünerlen bilden einen Gürtel von etwa 200 Meter Höhenausdehnung.
Oberhalb der Latschen bzw. Grünerlen finden sich alpine Rasengesellschaften mit einer überaus reichen Gräser-, Kräuter- und Blumenflora undSchotter- und Felsfluren. Darüber schließt die alpine Tundra an. Sie wird bestimmt durch sehr niedrig wachsende Pflanzen: Moose und Flechten. Die Position:bedingungen hier sind ähnlich wie im hohen Norden. Deshalb ist auch die Pflanzenwelt ähnlich - und die Tierwelt!