Forstbericht 2011
Josef Schmiedhofer, Präsident des SFV zieht anlässlich der ARGE-Sitzung 2011 in Brixen Bilanz über das Jahr 2011 aus forstlicher Sicht.Holzmarkt 2011
Die Wirtschaftskrise in Italien ist vor allem im Bausektor zu spüren. Zwar gewinnt der Rohstoff Holz nach wie vor Marktanteile gegenüber anderen Baustoffen wie Beton und Ziegel, allgemein aber wird viel weniger gebaut. Die öffentlichen Bauten kamen im letzten Jahr mit wenigen Ausnahmen komplett zum Stillstand. Weniger Absatz bedeutet aber auch keine Möglichkeit, den Schnittholzpreis wesentlich zu heben. Dieser müsste aber um Einiges steigen, damit sich die Preisschere zwischen teurem Rundholzeinkauf und billigem Bretterverkauf wieder schließt.Die Lage ist nach wie vor absurd! Zwar steigt der Preis für das Rundholz an, für die Bretter aber sind kaum höhere Preise zu erzielen. Hinzu kommt noch die sehr schlechte Zahlungsmoral bei den Kunden. Selbst langjährige Kunden mit gesunden Firmen zahlen erst nach 5 Monaten und mehr.
Auch die Kleinstrukturierung der Südtiroler Unternehmen übt einen großen Einfluss auf den Holzmarkt. Die Südtiroler Sägewerke sind durchwegs kleine Betriebe und schneiden zusammen etwa halb so viel Holz ein wie eines der beiden Großsägewerke in Nordtirol. Für die Waldbauern ist dieser Umstand von Vorteil, da die Kleinbetriebe beim Einkauf in Konkurrenz zueinander stehen und sich gegenseitig überbieten müssen, was den Preis in die Höhe treibt. Ein einziges Großsägewerk hingegen würde den Preis selbst diktieren.
Für die Sägewerke bedeutet es hingegen einen Nachteil, da die Schnittkosten hoch sind und das zur Verfügung stehende Kapital für neue Investitionen vor allem in die Weiterverarbeitung gering ist. Zudem fallen in Südtirol hohe Energiepreise und mangelnde Expansionsmöglichkeit wegen der Grundknappheit und der hohen Grundstückskosten negativ ins Gewicht.
Bretter guter Qualität und hier vor allem Lärche und Zirbe, zum Teil auch Leimbinder erzielen gute Preise am Markt; die mindere Qualität - und diese macht normalerweise etwa 60 bis 70% des Einschnittes aus – stagniert hingegen. Die Sägenebenprodukte wie Hackschnitzel und Sägemehl erzielen nach wie vor gute Preise.
Anders der Rundholzpreis! Trotz geringem Absatz bei der Schnittware war und ist der Hunger nach Rundholz immer noch groß. Kaum Schadholz und weniger Nutzungen haben zu Engpässen geführt. Die Sägewerke - vor allem auch jene in Österreich - können nicht einfach zusperren und brauchen ganz einfach Holz! Dementsprechend gut entwickelte sich also der Preis für das Rundholz.
Hinzu kommt auch, dass besser sortiert wird. Zweifelhafte Rundhölzer werden immer öfters zum Kistenholz gegeben, da man auch für diese Sortimente gute Preise erzielt.
Dasselbe gilt für das Brennholz: bei etwa 65 €/Fm wird das schlechtere Kistenholz zum Brennholz geworfen und man erspart sich dadurch auch noch etwa 8 €/Fm an Messspesen, da das Brennholz meistens LKW- oder Traktorfuhrenweise abgerechnet wird. Brennholzpreise von 35 € pro Raummeter wurden schon vielerorts bezahlt. Gute Preise erzielten auch heuer wieder die frischen Waldstangen in den Längen 5 und 6 m, sofern sie nicht astig und nicht abholzig sind - Holz also, welches beim Durchforsten der Wälder anfällt.
Momentan rechnet sich die Waldarbeit! Gute Verkaufspreise und die Bringungsprämie in benachteiligten Gebieten sowie die Durchforstungsprämien ermuntern zur Waldpflege und Waldnutzung. Mehr Zusammenarbeit unter den Waldbesitzern, bessere Organisation, weniger Manipulation beim Holz (Messen im Sägewerk, gemeinsame Holznutzung, bessere Nutzungsplanung) könnten das Ergebnis noch weiter verbessern!
Preissituation Jänner 2011 bis September 2011 beim Rundholz (Durchschnittspreise bei Versteigerungen)
Sägerundholz von 25 cm aufwärts sortiert:
Gute Fichte: 108 €/fm
Lärche: 126 €/fm
Zirbe: 168 €/fm
Kistenholz: 68 €/fm
Stangen/schwaches Bauholz: 92 €/fm
Quelle: Statistik des Landesbetriebes für Forst- und Domänenverwaltung über die versteigerten Holzlose. Ersichtlich unter http://www.provinz.bz.it/forst/landesbetrieb/rundholzpreise.asp
Forstpolitik
Auch Südtirol bekommt die römische Sparpolitik zu spüren. Der Forstdienst muss nun in einer ersten Phase 3% der Stellen abbauen (etwa 13 Personen). Weitere Schritte sind bereits angekündigt. Weiters wurden die Außendienste drastisch gekürzt und die laufenden Spesen des Landes wurden auf den Stand 2009 eingefroren. Der Landesforstdienst ist dabei, die Weichen für die nächste Förderungsperiode nach 2013 in Brüssel zu stellen und arbeitet hier mit anderen Ländern wie Tirol und Bayern eng zusammen. Außerdem ist die Umstellung der Waldkartei auf ein ähnliches Informationssystem wie die Höfekartei (Lafis) in Ausarbeitung.Auch eine neue strategische Ausrichtung für die Zeit „nach 2013“ wird ausgearbeitet.
Im Dezember wurde in Brüssel die Bergwaldagenda vorgestellt. Dabei wurden ein Strategiepapier mit 8 Leitsätzen in Zusammenarbeit mit Tirol, Bayern und dem Trentino ausgearbeitet.
Waldschäden
Ein neues Abkommen zwischen Waldbesitzern und Jägerschaft ist ausgearbeitet. Darin sind Entschädigungsabläufe und Berechnung geregelt, aber auch die Wildreduktion.Der gute Witterungsverlauf im Jahr 2011 hat dem Wald gut getan. Trotzdem konnte man heuer das erste Mal in Südtirol vermehrtes Auftreten des Borkenkäfers feststellen. Gerade in Ulten und in anderen Orten um 1000 m Seehöhe sind einige größere Befallsherde gesichtet worden. Mit entsprechender Förderung wird versucht, die Waldbesitzer zum Aufarbeiten der gefährdeten Bäume zu bewegen.
Außerdem kam es örtlich zu massivem Auftreten von Fichtenblasenrost. Örtlich nahm auch das Kieferntriebsterben zu, während der Prozessionsspinner im Vinschgau heuer weniger aufgetreten ist.
Der frühe Wintereinbruch im September führte zu häufigen Wipfelbruch vor allem bei der Lärche.
Projekte
Die Erhebung der Kohlenstoffbilanz des Waldes ist ein arbeitsintensives Projekt. Dabei wird die gebundene Kohlenstoffmasse (Pools) und die Kohlenstoff – Senke (wie viel aus der Atmosphäre jährlich gebunden wird) erhoben.Waldtypisierung: 111 verschiedene Waldtypen wurden im Rahmen des Projektes bestimmt, 85 davon ausführlich beschrieben und für diese Waldtypen auch waldbauliche Empfehlungen ausgearbeitet. In 14 Weiterbildungsveranstaltungen wurden die Förster entsprechend eingearbeitet.
Die Luftfahrthindernisse wurden erhoben und in entsprechende Karten eingetragen.